Startseite Sitemap Impressum/ Kontakt


online-korrektor.de - Professionelles Korrektorat und Lektorat

literaturwelt.com

Rechtschreibung

Die sogenannte "Rechtschreibreform" ist das größte mißlungene Massenexperiment in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Für mich ist es gescheitert. Politisch, linguistisch und ästhetisch ist dieses Projekt nicht als "Reform" zu bezeichnen. Da dieses Wort in den letzten Jahren, vor allem in der Politik, zu oft mißbraucht wurde, werde ich im Folgenden die Bezeichnung "neue Rechtschreibung" verwenden. Man könnte auch noch so weit gehen, das Kompositionsglied "Recht-" zu streichen, denn die Einführung der neuen Regeln war alles andere als Rechtens.

Auf die Frage, warum wir eine neue Rechtschreibung bräuchten, erhält man von den Urhebern meist keine klare Antwort oder nur schwammige Phrasen. Die Einführung der neuen Regeln war ein politischer Eingriff in die evolutionäre Entwicklung der Sprache mit unvorhersehbaren Folgen. Der historische Kontext, in welchem die Sprache eingebettet ist, wurde von den "Reformern" stark vernachlässigt, da dieser in Kontrast zu deren Absichten stand. Der Versuch einer kleinen Gruppe von "Experten", ihren Willen dem ganzen Volk aufzuzwingen, hat mit Demokratie nichts zu tun. Eine gemeinsame öffentliche Debatte mit Beteiligung aller Betroffenen - von Schülern, Eltern, Lehrern, Schriftstellern, Journalisten, u.a. - gab es nicht. Stattdessen wurden die Vorschläge und Beratungen von Sprachwissenschaftlern in geheimen Tagungen geführt. Die Betroffenen wurden erst hinterher mit den Neuerungen überrascht. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die neue Rechtschreibung von den meisten Menschen abgelehnt wird.
Ein weiterer Punkt sind die damit verbundenen Kosten. In einem Brief vom 14.9.1995 schrieben Chr. Böhr, R. Koch, P. Müller, G. Oettinger und Chr. Wulff an den damaligen Innenminister M. Kanther: "Dieses bedeutet für einige Jahre die Vervielfachung des derzeitigen Lehr- und Lernmitteletats in allen Landeshaushalten. Um es klar zu sagen, uns erscheinen im Moment andere Aufgaben wichtiger zu sein als die Rechtschreibreform." Recht hatten sie. Da ab dem 1. August 2006 die "Reform der Reform" gültig wird, muß der Lehr- und Lernmitteletat erneut angehoben werden - als hätten wir keine wichtigeren gesellschaftlichen Probleme zu bewältigen.

Aus politischen, linguistischen und ästhetischen Gründen möchte ich all diejenigen unterstützen, die bei der alten Rechtschreibung geblieben oder zu ihr zurückgekehrt sind. Die linguistischen Gründe möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen, da dies auf den unten stehenden Links genauer getan wird. Statt für Klarheit zu sorgen, hat die "Rechtschreibvergewaltigung" nur Chaos gestiftet. Warum man wieder eislaufen kann, aber nicht mehr radfahren darf ist mir unklar. Dabei kann einem nur angst und bange werden. Die Menschen können einem da nur noch "Leid tun". Oder "leid tun"? Oder (wie es richtig wäre) leidtun?

Links zur Rechtschreibreform


« zurück zu den Spezialthemen