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Friedrich von Schiller

Des Mädchens Klage

Der Eichenwald brauset,
Die Wolken ziehn,
Das Mägdlein sitzet
An Ufers Grün;
Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,
Und sie seufzt hinaus in die finstre Nacht,
Das Auge vom Weinen getrübet:

"Das Herz ist gestorben,
Die Welt ist leer,
Und weiter gibt sie
Dem Wunsche nichts mehr.
Du Heilige, rufe dein Kind zurück,
Ich habe genossen das irdische Glück,
Ich habe gelebt und geliebet!"

Es rinnet der Thränen
Vergeblicher Lauf,
Die Klage, sie wecket
Die Todten nicht auf;
Doch nenne, was tröstet und heilet die Brust
Nach der süßen Liebe verschwundener Lust,
Ich, die Himmlische, will's nicht versagen.

"Laß rinnen der Thränen
Vergeblichen Lauf!
Es wecke die Klage
Den Todten nicht auf!
Das süßeste Glück für die trautende Brust
Nach der schönen Liebe verschwundener Lust
Sind der Liebe Schmerzen und Klagen."


(1798)



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