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Klassik (1786-1832) – Epoche der Literatur

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Epoche: Klassik

Das Wort klassisch stammt vom lateinischen Wort classicus, mit dem man Angehörige der höchsten Steuerklasse bezeichnete. In der Bedeutung erstrangig wurde dieses Wort bald auf andere Bereiche übertragen. Heute meint man mit klassisch etwas zeitlos Gültiges, Überragendes und Vorbildhaftes. Im schöpferischen Sinne bedeutet es die Orientierung an antiken Stil- und Formmustern.

Historischer Hintergrund

Im Jahre 1789 fand die große Französische Revolution statt. 1792 brach die Herrschaft der Jakobiner und gleichzeitig auch die Zeit des Terrors an. Durch einen Staatsstreich gelangte Napoleon Bonaparte 1799 an die Macht in Frankreich, 1804 wurde er zum französischen Kaiser. 1806 kam es zur Gründung des Rheinbundes, der Schutzherrschaft Napoleons über die rheinischen Staaten. In den Schlachten bei Jena und Auerstedt wurden die preußischen Truppen 1806 vernichtend geschlagen.

Zwischen 1807 und 1814 wurden in Preußen wichtige Reformen vollzogen, die einen großen Einfluss auf die Gesellschaft hatten: Bauernbefreiung, Selbstverwaltung der Städte, Gewerbefreiheit, Judenemanzipation, Bildungsreform und Heeresreform.

Nach Napoleons gescheitertem Russlandfeldzug 1812 setzen 1813 die Befreiungskriege gegen Frankreich ein. In der Schlacht bei Waterloo 1815 wurde Napoleon endgültig besiegt. 1815 regelte der Wiener Kongress die Neuordnung Europas.

Philosophischer Hintergrund

Wichtig für die Herausbildung des Idealismus war die Philosophie Immanuel Kants. In seiner Kritik der reinen Vernunft (1781-87) untersuchte er die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. In der Kritik der praktischen Vernunft (1788) versucht er Gründe für das sittliche Handeln zu finden, das nicht nur auf Konventionen und Geboten beruhen kann, sondern aus einem sittlichen Willen resultiert. In der Kritik der Urteilskraft (1790) beschäftigte sich Kant auch mit der Ästhetik. Schöne Kunst ist für ihn Kunst eines Genies, denn sie ist exemplarisch.

Literatur der Klassik

Die Dichtung der Klassik war sehr vom Idealismus geprägt. Sie zielte auf eine geschlossene Form, auf Vollendung, auf Humanität, auf Sittlichkeit und auf Harmonie. In Schillers Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) forderte er eine Wahrnehmung der Kunst, die auch die Gesellschaft befördert. Durch die ästhetische Erziehung wurde die Natur durch die Kunst überwunden, die aber wieder Natur ist, um Harmonie zu erreichen. Ziel der klassischen Dichtung war nicht Abbildung oder Nachahmung der Natur, sondern das Wesen der Dinge zu erfassen.

     Klassikverständnis

Das Klassikverständnis ging auf die Betrachtung antiker Bildkunst zurück. Von ihr wurde z. B. durch Winkelmann abgeleitet, was das Schönheitsideal ausmachte. Für Winkelmann war das Menschenbild geprägt durch „edle Einfalt und stille Größe“. „Edle Einfalt“ meint die Einfachheit des behandelten Stoffes, „stille Größe“ eine große Geisteshaltung.

     Goethe und Schiller als Dichtungstheoretiker

J.W. von Goethe (Bild aus: Wikipedia)

Goethes Aufsatz Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil (1789) stellt das Ergebnis seines Kunstlebens in Italien dar: des Studiums des Natur- und Volkslebens und dem Römischen Karneval. In dieser Theorie unterscheidet er zwischen drei Methoden des Kunstschaffens: Nachahmung (natürliche Erfassung der Natur), Manier (Ausdruck des individuellen Sicht der Dinge) und Stil (Erfassung des Wesens der Dinge). Der Stil ist das höchste Mittel der Darstellung.

Schiller (Bild aus: Wikimedia Com.)

Schillers Briefe Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) stellen den Versuch dar, das Schöne zu bestimmen und die Frage nach der Funktion der Kunst innerhalb der Kulturentwicklung des Menschen zu klären, besonders in der Zeit nach der Französischen Revolution. Für Schiller ist eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft, wie die Französische Revolution, zum Scheitern verurteilt. Politische Veränderungen können erst erreicht werden, wenn der Mensch seine Harmonie wiedergefunden hat.

     Beförderung der Humanität

Herder versucht in seinen Briefen zur Beförderung der Humanität auf theoretische Weise zu klären, wie Humanität befördert werden kann. Goethe zeigt es praktisch z. B. an Hermann und Dorothea. Ehe, Freundschaft, geistige Übereinkunft führen zu einer harmonischen Menschengemeinschaft. Revolution wirkt sich darauf auflösend aus. Die Vervollkommnung des Menschen soll durch den Tatgedanken und vollkommene Menschen bewirkt werden, z. B. „und es versetze darauf die kluge verständige Hausfrau“. Die Figuren repräsentieren das Ideal des Individuums. Sie sind tugendhaft, besitzen Modellcharakter, haben eine Rolle in der Gemeinschaft und sind Ausdruck des Allgemeinen, Wesenhaften, Charakteristischen (=> Stil).

     Die klassische Ballade

Die Balladenproduktionen der Klassiker im Jahr 1797 waren Werkstatterfindungen. Die klassische Ballade beschränkt sich auf die Arbeiten Schillers und Goethe in den Jahren 1797 und 1798, die in den „Musenalmanach für das Jahr 1798“ und „Musenalmanach für das Jahr 1799“ veröffentlicht wurden.

Im sog. „Balladenjahr“ 1797 machten Schiller und Goethe die Ballade zum Gegenstand eines „bewussten Kunstwillens und ästhetischen Experiments“. Im „Musenalmanach für das Jahr 1798“ erschienen Goethes

Im „Musenalmanach für das Jahr 1799“ erschienen Schillers Der Kampf mit dem Drachen und Die Bürgschaft.

Literarische Formen in der Klassik

  • Bildungsroman
  • Ideendrama
  • Charakterdrama

bevorzugte Formen der Lyrik:

Ode:
(griech. Lied, Gesang) = feierliches Gedicht, aber gedämpfter als Hymne; reimlos; festgelegte Strophenformen: Antike Odenmaße: alkäische Ode, sapphische Ode und asklepiadeische Ode; geprägt von Erhabenheit und Würde

Hymne:
(griech. Festgesang) = feierlicher Lob- und Preisgesang; meist freie Rhythmen

Sonett:
Festgelegt sind: Versmaß, Reim, Strophenform und Länge. Ein Sonett besteht aus 14 Versen und hat als Versform den Alexandriner. Unterschieden wird zwischen Italienischem Sonett (Petrarca-Sonett), das sich aus 2 Quartetten und 2 Terzetten zusammensetzt, und Elisabethanischem Sonett (Shakespeare-Sonett), bestehend aus 3 Quartetten und einem abschließenden Reimpaar.

Distichon:
Kombination von Hexameter und Pentameter; meist reimlos

Stanze:
Strophenform zu acht Versen, mit fünfhebigem Jambus und weiblicher Kadenz; Reimschema: ab ab ab cc

Vertreter der Klassik

Werke der Klassik

  • Iphigenie auf Tauris (1787) – Goethe
  • Don Carlos, Infant von Spanien (1787) – Schiller
  • Die Götter Griechenlands (1788) – Schiller
  • Faust, ein Fragment (1790) – Goethe
  • Briefe zur Beförderung der Humanität (1793-97) – Herder
  • Über die ästhetische Erziehung des Menschen, in einer Reihe von Briefen (1795) – Schiller
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96) – Goethe
  • Über naive und sentimentale Dichtung (1795/96) – Schiller
  • Das Lied von der Glocke (1797) – Schiller
  • Hermann und Dorothea (1797) – Goethe
  • Wallenstein (1798/99) – Schiller
  • Maria Stuart (1800) – Schiller
  • Wilhelm Tell (1804) – Schiller
  • Faust I (1806) – Goethe
  • Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (1811/14) – Goethe
  • West-östlicher Divan (1819) – Goethe
  • Urworte. Orphisch (1820) – Goethe
  • Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821) – Goethe
  • Faust II (1831) – Goethe

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Sturm und Drang (1740-1790) – Epoche der Literatur

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Epoche: Sturm und Drang

Der Begriff des Sturm und Drang ist von Klingers gleichnamigem Drama Sturm und Drang (1776) hergeleitet. Der Beginn der Epoche wurde mit dem Erscheinen der herderschen Fragmente 1767 markiert. Der Sturm und Drang endet mit dem Wandel Goethes und Schillers zu Klassikern, ausgelöst durch Goethes Bildungsreise nach Italien und Schillers Kant-Studien.

Literatur des Sturm und Drang

     Geniekult

Im Mittelpunkt neuer ästhetischer Betrachtungen steht nun das Genie, nicht mehr die Regelpoetik. Die Zeit des Sturm und Drang wird auch als Geniezeit bezeichnet, die viele Genies hervorbrachte, und in welcher der Dichter gegenüber anderen Menschen herausgehoben wurde. Starke Impulse erhielten die Genies durch Shakespeare. Er avancierte bei den Stürmern und Drängern zum Vorbild als genialer Dichter.

Ein Entstehungsgrund für den Geniekult war auch der hinzugekommene starke Konkurrenzdruck auf dem literarischen Markt. Die neue Literatur ist einerseits durch Genialität, andererseits durch Subjektivität geprägt worden. Der Sturm und Drang darf nicht als Kampf gegen die Aufklärer gesehen werden. Mit dem Sturm und Drang trat die Aufklärung in eine neue Phase ein. Die aufklärerische Rationalität wurde durch die Gefühlsregungen der Stürmer und Dränger erweitert. Verstand und Gefühl bildeten nun eine Einheit.

     Das Drama im Sturm und Drang

Die bevorzugte literarische Form der Stürmer und Dränger war das Drama, ihm wurde eine erzieherische und bildende Rolle zugeschrieben. Mit Werken wie Die Räuber (1781) und Kabale und Liebe (1784) von Schiller und dem Götz von Berlichingen (1773) von Goethe wurde das deutsche Theater mit dem französischen und englischem Theater ebenbürtig.

Die Behandlung aktueller Gesellschaftsprobleme ist eine Neuerung des Dramas des Sturm und Drang gegenüber anderen Epochen. Eines haben die Dramen des Sturm und Drang alle gemeinsam: Am Ende scheitert der Held an den gesellschaftlichen Verhältnissen und kann seine Identität nur durch Mord, Freitod oder Selbstverstümmelung bewahren.

Wichtige Themen der Dramen im Sturm und Drang waren Freiheitskampf gegen die Gesellschaft (z. B. Schiller: Kabale und LiebeDie Räuber; Goethe: Götz von Berlichingen; Klinger: Die Zwillinge) und gesellschaftliche Geschlechterauffassungen (z. B. Lenz: Die Soldaten).

     Der Roman im Sturm und Drang

Der bürgerliche Roman hatte vor der Epoche des Sturm und Drang das gleiche Problem wie das bürgerliche Drama. Beide standen sie noch in ihren Kinderschuhen. Erst mit Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers (1774) erschien der erste bürgerliche Roman.

Die Form des Briefromans ist eine Möglichkeit, das Gefühlsleben durch unkonventionelle Sprache zu artikulieren. Werther ist ein junger, bürgerlicher Intellektueller, der am Eingliederungsversuch eines bürgerlichen Individuums in die feudale Ordnung (Ständegesellschaft) scheitert und darauf Selbstmord begeht. Werther war ein Außenseiter der Gesellschaft und nicht angepasst und integriert wie Albert.

Werther behauptete für sich das Recht auf Selbstbestimmung, Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Dies war jedoch nicht bei der Arbeit möglich, da er sich als Sekretär auch unterordnen muss. Einzig die Liebe bot ihm einen Ausweg aus der Subordination (Unterordnung), weil sie eine Gleichstellung zwischen zwei Liebenden ermöglichen kann.

     Die Lyrik im Sturm und Drang

Die Lyrik des Sturm und Drang war bestimmt von Liebes-, Natur- und lehrhaften Gedichten. Die Empfindungslyrik spielte eine wesentliche Rolle, da auch sie, wie der Briefroman, das Gefühlsleben zum Ausdruck bringen konnte. Einige Beispiele sind Willkommen und Abschied (1771) von Goethe oder Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen (1773) von Gottfried August Bürger.

Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen
Gottfried August Bürger

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebleut
Darf Klau und Rachen haun?

Wer bist du, daß durch Saat und Forst
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet wie das Wild? –

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß und Hund und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht bei Egg und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! –

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

Literarische Formen im Sturm und Drang

  • bürgerliches Drama
  • bürgerlicher Roman
  • Empfindungslyrik

Vertreter des Sturm und Drang

4. Werke des Sturm und Drang

  • Über die neuere deutsche Literatur. Fragmente (1767) – Herder
  • Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (1773) – Goethe
  • Ganymed (1773) – Goethe
  • Die Leiden des jungen Werthers (1774) – Goethe
  • Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung (1774) – Lenz
  • Die Soldaten (1776) – Lenz
  • Sturm und Drang (1776) – Klinger
  • Gedichte (1778) – Bürger
  • Die Räuber (1781) – Schiller
  • Kabale und Liebe (1784) – Schiller
  • Prometheus (1785) – Goethe
  • Anton Reiser (1785/90) – Moritz

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Empfindsamkeit (1740-1790) – Epoche der Literatur

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Epoche: Empfindsamkeit

Der Begriff Empfindsamkeit leitet sich von Lessings Verdeutschung „empfindsam“ zum englischen Wort sentimental ab.

Literatur der Empfindsamkeit

Die Empfindsamkeit stellt keine Gegenbewegung zur Aufklärung dar, sondern ist eine Ergänzung der reinen Rationalität der Aufklärer mit Empfindungen. Das Bildungsbürgertum suchte eine Flucht vor der Unterdrückung durch die Obrigkeit – und fand sie in der Welt der Empfindungen.

Die Literatur der Empfindsamkeit ist geprägt von Pietismus, Gefühlsbetontheit, In-sich-Gekehrtheit, Freundschaft und Naturnähe. Den Höhepunkt in der empfindsamen Dichtung stellt Klopstocks Epos Der Messias (1748-1773) dar. Die 20 Gesänge des biblischen Epos sind in Hexametern verfasst. Bevorzugt wurden vor allem lyrische Formen.

Die Hymnendichtung fand hier ihren Höhepunkt. Es entstanden auch viele Oden, die bekanntesten davon stammten von Klopstock, so z. B. Die frühen GräberDie FrühlingsfeierDer ZürcherseeDas Wiedersehn und An meine Freunde, erschienen 1771 als Gesamtausgabe.

Die frühen Gräber (1764)
Friedrich Gottlieb Klopstock

Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.

Des Mayes Erwachen ist nur
Schöner noch, wie die Sommernacht,
Wenn ihm Thau, hell wie Licht, aus der Locke träuft,
Und zu dem Hügel herauf röthlich er kömt.

Ihr Edleren, ach es bewächst
Eure Maale schon ernstes Moos!
O wie war glücklich ich, als ich noch mit euch
Sahe sich röthen den Tag, schimmern die Nacht.

Literarische Formen in der Empfindsamkeit

  • Epos
  • Roman
  • Ode
  • Hymne
  • Idylle

Hymne:
(griech.: Festgesang) ist ein feierlicher Lob- und Preisgesang, der oft in freien Rhythmen verfasst wurde.

Idylle:
kommt vom griechischen Wort eidyllon und steht für Bildchen. Sie ist meist eine idealisierte harmonische Darstellung vom Land- und Volksleben in Prosa- oder Versform.

Vertreter der Empfindsamkeit

Viele Vertreter der Empfindsamkeit kommen aus Literaturkreisen oder -bunden, so z. B. aus dem Göttinger Hainbund.

Werke der Empfindsamkeit

  • Messias (1748-1773)- Klopstock
  • Hermanns Schlacht (1769) – Klopstock
  • Oden (1771) – Klopstock
  • Der Zürchersee – Klopstock
  • Die frühen Gräber – Klopstock
  • Die Frühlingsfeier – Klopstock
  • Der Wandsbecker Bothe (1771/75) – Matthias Claudius
  • Der siebzigste Geburtstag (1781) – Voß
  • Gedichte (1782/83) – Hölty
  • Luise (1783/84) – Voß

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Aufklärung (1720-1790) – Epoche der Literatur

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Epoche: Aufklärung

Die Aufklärung ist eine seit dem 17. Jahrhundert vorherrschende, gesamteuropäische Bewegung der Rationalität und Humanität. Der Begriff Aufklärung steht als Epochenbezeichnung der deutschen Literaturgeschichte, die Empfindsamkeit und Sturm und Drang mit einschließt.

Weltbild der Aufklärung

Im 18. Jahrhundert spricht man vom Anbruch der modernen Zeit. In den Städten bildete sich ein neues Bürgertum heraus, welches Handel betrieb und Besitz und Kapital anhäufte. Der Feudalismus wurde dadurch allmählich verdrängt. Spannungen zwischen dem Bürgertum und dem Adel wuchsen. Das Bürgertum akzeptierte nicht mehr die gottgegebene Vorherrschaft der Adligen, sondern stellte einen eigenen Selbstbestimmungsanspruch. Die Bürgerlichen beriefen sich auf die Vertreter der Aufklärung, die für eine Herrschaft der Vernunft eintraten.

Historischer Hintergrund

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Deutsche Reich in viele Territorien zersplittert. Es existierten über 300 souveräne Einzelstaaten. Das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ hatte nur symbolischen Charakter, da die wesentlichen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft, Gesetzgebung, etc. von den Einzelstaaten selbst getroffen wurden. Das luxuriöse Hofleben vieler Kleinstaatenfürsten wurde meist zu Lasten des Volkes gezahlt.

Philosophischer Hintergrund

Die Philosophen der Aufklärung waren es, die den Beginn der Moderne einläuteten. Sie wirkten auf die Dichter vieler europäischer Länder und prägten diese. Der wichtigste Philosoph in Deutschland war Immanuel Kant mit seinem kritischen Idealismus. In seinem Werk Was ist Aufklärung? beschreibt er die Ideen und Ideale dieser Zeit.

Auszug: Was ist Aufklärung? – Immanuel Kant

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.“

Die Dichtung der Aufklärung

     Wandel in der Dichtung

Die Dichtung des 18. Jahrhunderts wandelte sich stark: Im Mittelpunkt stand nicht mehr das Lob der Fürsten und die Unterhaltung der höfischen Gesellschaft, sondern das bürgerliche Leben und die Aufklärung des Bürgertums. Die Leserschaft aufklärerischer Dichtung war zunächst gering, da die meisten Menschen weder lesen noch schreiben konnten. Es musste darum erst eine breite Leserschaft geschaffen werden.

Die Abkehr von der höfischen Dichtung bewirkte auch eine Ablösung der Hofdichter. An ihre Stelle trat nun der freie Schriftsteller. Doch dieser war zwar finanziell von fürstlichen und kirchlichen Gönnern unabhängig, doch konnte er kaum von den geringen Auflagen seiner Werke leben. Die meisten Schriftsteller verbesserten ihre finanzielle Lage durch Nebeneinkünfte.

Eine wichtige Rolle bei der literarischen Veröffentlichung spielte die Zensur. Ein weiterer Faktor, der den Buchmarkt des 18. Jahrhunderts prägte war die Gründung von Verlagen und Buchhandlungen.

     Literaturtheorien der Aufklärung

Mit der Ablösung der höfischen Dichter folgte auch eine Ablösung der höfischen Dichtung. An ihre Stelle trat eine Literatur, welche die Ideen der Aufklärung vertrat: Vernunft, Humanität und Nützlichkeit. Die aufklärerischen Ideale wurden auf sämtliche literarische Gattungen übertragen.

In seiner Literaturtheorie Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen (1730) verurteilte Gottsched die Barockdichtung aus der Sicht der Aufklärer. Er widersetzte sich der Normen- und Regelpoetiken des Barock und trat für eine Verbreitung der aufklärerischen Ideen in der Deutschen Dichtung ein.

Kern der Poetik Gottscheds war der aristotelische Grundsatz von der Nachahmung der Natur und eine Forderung von Horaz, dass die Aufgabe der Dichtung die Verbindung von Vergnügen und Nutzen sei. Gottsched vertrat weiterhin die Ständeklausel: Adlige und Fürsten sollten nur in Tragödien und Heldendichtungen auftreten, Bürger und Leute mit geringem sozialen Status nur in Komödien und Romanen. Der Dichter sollte bei Gottsched ein Erzieher der Leserschaft im Sinne der Aufklärung sein.

G.E.Lessing (aus: Wikimedia)

Lessings Standpunkt überwand die feudalen Literaturtheorien. Die Überwindung der Ständeklausel von Lessing wurde dadurch ermöglicht, dass der Mensch nicht mehr nach seinem sozialen Status handelt, sondern darüber hinausgeht. Lessing gab der Literatur eine neue Funktion: Sie sollte das Leserpublikum sittlich läutern. Angst, Furcht und Mitgefühl sollten beim Leser und Zuschauer erweckt werden.

Der Held durfte deswegen keine ideale Figur, sondern er musste ein reale Person darstellen. Lessing schrieb seine Gedanken zur Dramentheorie in der Hamburgischen Dramaturgie (1767/1768) nieder.

     Das Drama in der Epoche der Aufklärung

Das Drama spielte in der Aufklärung eine besondere Rolle. Hier hoffte man, die Zuschauer und Leser besser erziehen und verändern zu können als in anderen literarischen Gattungen. Im 18. Jahrhundert versuchten viele Bürgerliche sich als Schauspieler zu bewerben, um Rollen zu spielen, die ihnen im wirklichen Leben versagt blieben.

Lessing, der Gottscheds Dramentheorie und -praxis stark kritisierte, hatte die Idee von einem deutschen Nationaltheater. Dieses Theater sollte nicht von anderen Ländern beeinflusst werden und musste aktuell sein.

Lessing brachte die Entwicklung des bürgerlichen Dramas weit voran. Mit Minna von BarnhelmEmilia Galotti und Nathan der Weise schuf Lessing Werke, die bis heute noch zum Standartrepertoire vieler Bühnen gehören. Seine wohl wichtigste Tragödie ist der Nathan. In diesem Drama bricht Lessing mit der bisherigen Theatertradition, dass Juden nur als lächerliche Darsteller auf der Bühne waren. Außerdem kämpft er damit gegen antisemitische Vorurteile und für die Gleichwertigkeit & Wertschätzung jeweils anderer Religionen.

Die bürgerlichen Dramen waren im eigentlichen Sinne gar nicht „bürgerlich“, denn die handelnden Personen stammten weiterhin aus dem Adel. Doch verkörperten einige Adlige bürgerliche Tugenden und Vorstellungen.

     Der Roman in der Aufklärung

Der Roman erlebte, ähnlich dem Drama, eine Blütezeit in der Aufklärung. Die Forderungen an den bürgerlichen Roman ähnelten den Ansprüchen an das bürgerliche Drama. Der adlige Held sollte durch einen bürgerlichen Protagonisten ersetzt werden. Bereits um 1770 waren alle anderen Romanformen vom bürgerlichen Roman verdrängt.

Christoph Martin Wieland galt als erster Epiker mit seinem Werk Agathon (1766-1767). Neben bürgerlichen Romanen spielten auch autobiographische Romane und satirische Formen eine bedeutsame Rolle. Georg Christoph Lichtenberg verfasste in seinen Sudelbüchern unzählige Aphorismen über Politik, Staat, Religion, Gesellschaft, Literatur und Philosophie. Er gilt als der bedeutendste deutsche Aphoristiker überhaupt.

     Lyrik der Aufklärung

Die höfische Dichtung wurde in der Lyrik schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts und damit viel eher abgelöst als in der Epik oder im Drama. Die Lyrik der Aufklärung besaß eine große Formenvielfalt: Sie reichte von Gedankenlyrik, Lehrgedichten über Oden und Hymnen bis zu Balladen. Die Aufklärungslyrik war von Subjektivität und teils starken Gefühlsregungen bestimmt.

Die Fabel erlebte im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt, obwohl ihre Geschichte schon über 2000 Jahre alt ist. Der griechische Dichter Äsop schrieb im 6. Jahrhundert vor Christus die ersten Fabeln, welche später zum Vorbild für viele andere Fabeldichter wurden. Lessing verfasste sogar eine eigene Fabeltheorie (1759). Er hatte die Absicht, das Selbstwertgefühl des Menschen zu stärken, indem er die Schwächen des Menschen aufzeigte.

Die Struktur der Fabel unterscheidet sich von einem Dichter zum anderen. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Das menschliche Handeln und Denken sowie Andeutungen gesellschaftlicher und sozialer Probleme wurde auf die beseelte und unbeseelte Natur übertragen. Veranschaulicht wurde dies durch satirische Elemente und durch eine erzieherische und belehrende Erzählweise.
Beispiel einer Fabel:

Der Tanzbär – Gotthold Ephraim Lessing

Ein Tanzbär war der Kett‘ entrissen,
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
Auf den gewohnten Hinterfüßen.
„Seht“, schrie er, „das ist Kunst; das lernt man in der Welt.
Tut es mir nach, wenn’s euch gefällt,
Und wenn ihr könnt!“ – „Geh“, brummt ein alter Bär,
„Dergleichen Kunst, sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei,
Zeigt deinen niedern Geist und deine Sklaverei.“Ein großer Hofmann sein,
Ein Mann, dem Schmeichelei und List
Statt Witz und Tugend ist;
Der durch Kabalen steigt, des Fürsten Gunst erstiehlt,
Mit Wort und Schwur als Komplimenten spielt,
Ein solcher Mann, ein großer Hofmann sein,
Schließt das Lob oder Tadel ein?

Literarische Formen der Aufklärung

  • bürgerliches Trauerspiel
  • Fabel
  • Lehrgedicht

bürgerliches Trauerspiel:
Das bürgerliche Trauerspiel ist eine Form des Dramas im 18. Jahrhundert, das mit den bestehenden Poetiken brach, doch wichtiger war, dass die Helden des Dramas nun bürgerliche Züge trugen und die Ideen des Bürgertums vertraten. Ein Beispiel für ein bürgerliches Trauerspiel ist Lessings Emilia Galotti.

Fabel:
Die Fabel ist eine kurze epische Erzählung in Vers- oder Prosaform mit lehrreichem Inhalt. Am Ende der Fabel steht die „Moral“ der Fabel, die oft eine Lebensweisheit beinhaltet. Das menschliche Handeln und Denken sowie Andeutungen gesellschaftlicher und sozialer Probleme wird auf die beseelte und unbeseelte Natur übertragen. Veranschaulicht wird dies durch satirische Elemente und durch eine erzieherische und belehrende Erzählweise.

Lehrgedicht:
Das Lehrgedicht ist Gedankenlyrik mit aufklärendem, lehrhaftem und moralischem Inhalt. Es kann alle Wissensgebiete behandeln, von Religion bis Naturkunde. Ein Beispiel für ein Lehrgedicht ist Der Frühling von Christian von Kleist.

Vertreter der Aufklärung

Werke der Aufklärung

  • Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen (1730) – Gottsched
  • Sterbender Cato (1732) – Gottsched
  • Fabeln und Erzählungen (1746-48) – Gellert
  • Leben der schwedischen Gräfin von G*** (1747-1748) – Gellert
  • Miß Sara Sampson (1755) – Lessing
  • Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie (1766) – Lessing
  • Die Geschichte des Agathon (1766/67) – Wieland
  • Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück (1767) – Lessing
  • Hamburgische Dramaturgie (1767-1768) – Lessing
  • Emilia Galotti (1772) – Lessing
  • Nathan der Weise (1779) – Lessing

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Barock (1600-1720) – Epoche der Literatur

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Epoche: Barock

Das Wort Barock kommt vom Portugiesischen „barroca“ und bedeutet ’schiefrunde Perle‘. Die Bezeichnung für barock als Adjektiv wurde daher zunächst abwertend gebraucht. Der Begriff Barock als Epochenbezeichnung setzte sich erst um Mitte des 19. Jahrhunderts durch.

Weltbild des Barock

Das Weltbild des Barock war geprägt von der Antithetik in allen Lebensbereichen, zerrissenen Lebensgefühlen, Vergänglichkeitsbewusstsein, Todesangst durch den Dreißigjährigen Krieg, mystisch-religiöse Schwärmerei und fanatischen Glauben.

Historischer Hintergrund

Mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erlebte das Deutsche Reich einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verfall. Etwa ein Drittel des deutschen Volkes kam dabei um. Doch waren nicht hohe Kriegsverluste dafür verantwortlich, sondern das Wüten der Pest in fast allen großen und kleinen Städten.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bildete sich in Deutschland der Territorialabsolutismus heraus. Die Einflussnahme des Staates griff auf alle Lebensbereiche wie Erziehung, Bildung, Wirtschaft und Kirche und machte klare Vorgaben. Das Leben an den absolutistischen Fürstenhöfen hatte den französischen Absolutismus in Versailles zum Vorbild. Luxuriöse Bauten wurden errichtet und ein verschwenderisches Leben geführt.

Die Barockdichtung

     Reform der deutschen Dichtung

Während in der Renaissance die Dichtungen noch vorwiegend in Lateinisch geschrieben worden waren, so wurden sie im Barock allmählich von der Deutschen Sprache abgelöst.

Für die Literaturreform an sich steht Martin Opitz mit seinem Werk Buch von der Deutschen Poeterey (1624). Es war die erste deutschsprachige Poetik und enthielt Vorschriften für Verse und Textverfassungen für beinahe alle Gattungen.

Sie war eine Regelpoetik: „Damit aber die syllben vnd worte in die reime recht gebracht werden / sind nachfolgende lehren in acht zue nehmen.“ (Kapitel 7). Opitz‘ Intention war es, eine Anleitung für regelgerechtes Dichten aufzustellen, nach der sich deutsche Dichter richten sollten. Martin Opitz setzte sich für die Verwendung des alternierenden Versprinzips (Jambus und Trochäus) ein, das der deutschen Sprache am besten entspreche. Für Opitz war die Einteilung der Inhalte an Genres gebunden, d. h. bestimmte Genres eigneten sich für die Darstellung bestimmter Inhalte.

Die Barockdichter hielten sich auch meist an die Vorgaben, denn der barocke Leser erwartete von ihm, dass das Werk einer bestimmten Gattung den Vorgaben entsprach. Nur selten wurden bestimmte Vorgaben ein wenig abgeändert. Die Dichtungen des Barock sind daher keine Erlebnisdichtungen, da Formen als auch Themen vorgegeben wurden.

     Motive der Barockdichtung

Antithetik:
DiesseitsJenseits
EwigkeitZeit
ScheinSein
SpielErnst
LebensgierTodesbewusstsein
AufbauZerstörung
BlüteVerfall
carpe diemin memento mori
Erotik, WollustTugend, Askese
WohlstandArmut
GesundheitKrankheit

Die starken Gegensätze und Spannungen ließen ein Vergänglichkeitsbewusstsein aufkommen, das sogenannte Vanitas-Motiv. Dieses führte in vielen barocken Werken zur Hinwendung zu Gott oder zur Weltflucht.

     Lyrik im Barock

In der Lyrik waren Sonett, Elegie, Epigramm und Ode die vorherrschenden Formen. Beliebt waren auch die Figurengedichte. Mit seinen Oden und Gesängen (1618/19) schuf Georg Weckherlin den Beginn einer neuhochdeutschen lyrischen Kunstdichtung.

Der herausragendste Liebeslyriker war Paul Fleming. Seine Liebesgedichte hatten die Schönheit der Liebe, deren Wesen und Wirkung zum Thema. Formal richteten sie sich jedoch streng nach den von Martin Opitz vorgegebenen Normen und Stilen. Die Formen der Liebeslyrik waren entweder Sonett oder Lied/Ode. Im Sonett konnte die Antithetik gut umgesetzt werden, doch wurden auch volksliednahe Lieder und Oden geschrieben, die sich einem größeren Gesellschaftskreis durchsetzten konnten.

Im Mittelpunkt des Werkes von Andreas Gryphius standen Vergänglichkeit (Vanitas) und das Leid der Welt. Auch seine Gedichte richteten sich nach den Normen von Martin Opitz. Gryphius‘ bekanntestes Sonett ist Thränen des Vaterlandes Anno 1636, in welchem er den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und die Qualen und Plagen der Menschen beschreibt. Die Leiden und Vergänglichkeit des Menschen werden in seinem Sonett Menschliches Elende besonders deutlich.

Mit grotesken Worten beschreibt er darin den Zustand des Menschen und der Gesellschaft. In seinen scheinbaren Naturgedichten entpuppen sich die Naturgegenstände als Metaphern, die erst erschlossen werden müssen, so auch in seinem Sonett An die Welt.

Kreuzgedicht – Catharina Regina von Greiffenberg

Seht der könig könig hängen!
und uns all mitt blutt besprängen
auss der dörner wunden bronnen
ist All unsser heyl geronnen
seine augen schliest Er sacht!
und den Himmel uns aufmacht
Seht Er Streket Seine Hend auss uns freundlichst Zuentfangen!
Hatt an sein Liebheisses Herz uns zu drüken brünst verlangen!
Ja Er neigt sein liebstes haubt uns begihrlichest zu küssen
All Sein Sinn gebärd und werk seyn zu unser Heyl geflissen!
Seiner seitten offen stehen
Macht seyn güttig Herze sehen!
Wann Wir schauen mitt den Sinnen
Sehen Wir uns selbst darinnen!
So Viel striemen so Viel Wunden
Alss an seinen leib gefunden
So Viel Sieg und Segen kwellen
Wollt‘ er unser seel bestellen,
Zwischen Himel und der Erden
wollt‘ Er auf geopfert werden
Dass Er gott und uns verglihen
uns Zu sterken Er Verblihen
Ja sein sterben hatt das Leben
Mir und Aller Weltt gegeben!
Jesu‘ Christ dein Tod und schmerzen
Leb‘ und schweb‘ mir stett im Herzen!

     Das Theater im Barock

Das Theater im Barock wurde von den meisten Dramaturgen als Welttheater angesehen, ausgehend davon, dass „die Welt ein Theater ist“. Allerdings konnten die deutschen Theaterdichter den europäischen, wie Shakespeare, Moliere, Corneille oder Monteverdi, kaum etwas entgegensetzen, da es in Deutschland kein Nationaltheater gab.

Zum Theater des Barock in Deutschland zählten daher nur Laienspiel, Wandertheater, Ordensdramen, Schultheater, Hoftheater und die Oper. Eine der wichtigsten Neuerungen im deutschen Theater war, dass die Frauenrollen nicht mehr von den Männern gespielt wurden. Die Ständeklausel blieb im Barock fest bestehen: Die Tragödie handle von hochgestellten, adligen Personen; die Komödie handle von niederen Menschen.

     Die Prosa im Barock

Die Prosa im Barock hatte eine Vielzahl an Formen. Vorherrschend waren vor allem Reisebeschreibungen, Predigten, wissenschaftliche und journalistische Werke – also die nichtfiktionale Literatur – und daneben die bestehenden literarischen Gattungen wie Roman, Schwank, Satire, Sprüche und andere Erzählformen.

Der Barockroman unterteilt sich in drei wesentliche Gattungen: der höfisch-historische Roman, der Schäferroman und der niedere Roman, zu welchem auch der Schelmenroman (oder Pikaroroman) gehört. Während sich der höfisch-historische Roman aus Übersetzungen europäischer Romane entwickelte, entstanden deutsche Schäferromane aus eigenständigen kleinen Romanen, deren Themen persönliche Liebeskonflikte waren.

Im Schelmen- oder Pikaroroman stammte der Held aus niederen sozialen Verhältnissen. Die Welt wird von unten, aus einem niederen Stand, betrachtet. Die Hauptpersonen sind meist Unterdrückte. Die meisten Schelmenromane bauen sich aus einer fiktiven Autobiographie auf, so auch im Simplicissimus von Johann Jakob Grimmelshausen.

Literarische Formen im Barock

  • Sonett
  • Emblem
  • Epigramm
  • Jesuitendrama
  • Schäferdichtung
  • Kirchenlied

Sonett:
Das Sonett ist eine Lyrikform bestehend aus 14 Zeilen. Diese lassen sich in zwei Quartette und in zwei Terzette unterteilen. Die Versform der Sonette ist der Alexandriner (6 Hebungen). Der wohl bekannteste Sonettdichter des Barock war Andreas Gryphius.

Tränen des Vaterlandes (1643) – Andreas Gryphius

Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!
Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun /
Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret.

Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret.
Das Rathauß ligt im Grauß / die Starcken sind zerhaun /
Die Jungfern sind geschänd’t / und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer / Pest und Tod / der Hertz und Geist durchfähret.

Hir durch die Schantz und Stadt / rinnt allzeit frisches Blutt.
Dreymal sind schon sechs Jahr / als unser Ströme Flutt /
Von Leichen fast verstopfft / sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod /
Was grimmer denn die Pest / und Glutt und Hungersnoth /
Das auch der Seelen Schatz / so vilen abgezwungen.
Tränen des Vaterlandes

Emblem:
Das Emblem setzt sich aus einem Bild und Text zusammen und ist in drei Teile untergliedert: die Überschrift, das Motto (inscriptio), das Bild (pictura) und die Bildunterschrift (subscriptio).

Epigramm:
Das Epigramm ist eine oft lustige literarische Kurzform, die in Versen geschrieben ist. Der bedeutendste Epigrammatiker war Angelus Silesius mit seinem Hauptwerk, dem Cherubinischen Wandersmann.

Jesuitendrama:
Das Jesuitendrama ist eine Theaterform des Jesuitenordens. Es wurden meist biblische Stoffe behandelt. Der Hauptvertreter des Jesuitendramas ist Jakob Bidermann. Das Jesuitendrama ist das Bindeglied zwischen lateinischem Humanistendrama und dem barocken Trauerspiel.

Schäferdichtung:
Die Schäferdichtung ist eine Dichtungsform, die ein unwirkliches Bild vom Leben eines Hirten berichtet. Sie existierte schon im 3. Jahrhundert v. Chr., wurde aber erst im Barock auch in Deutschland angewendet.

Vertreter des Barock

Werke des Barock

  • Oden und Gesänge (1618/19) – Weckherlin
  • Buch von der Deutschen Poeterey (1624) – Opitz
  • Sonn- und Feiertagssonette (1639) – Gryphius
  • Teutschen Poemata (1646) – Fleming
  • Leo Armenius oder Fürstenmord (1650) – Gryphius
  • Ibrahim (1650) – Lohenstein
  • Deutscher Sinn-Gedichte drey Tausend (1654) – Logau
  • Carolus Stuardus oder Ermordete Majestät (1657) – Gryphius
  • Cherubinischer Wandersmann (1657) – Angelus Silesius
  • Herr Peter Squenz oder Absurda Comica (1658)- Gryphius
  • Cleopatra (1661) – Lohenstein
  • Horribilicribrifax (1663) – Gryphius
  • Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (1669) – Grimmelshausen
  • Der teutsche Bauer – Grimmelshausen

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Humanismus, Renaissance und Reformation (1500-1600) – Epochen der Literatur

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Epoche: Humanismus, Renaissance & Reformation

Humanismus kommt vom lateinischen Wort humanitas und bedeutet Menschlichkeit. Die Epoche des Humanismus erstreckte sich vom 15. bis 16. Jahrhundert in allen westlichen Ländern Europas. Die Gelehrten besonnen sich auf den Humanitas-Begriff der Antike zurück.

Renaissance stammt aus dem Französischen und heißt Wiedergeburt. Sie war eine europäische Bewegung mit der Wiederentdeckung der antiken Kultur.

Die Reformation stellt die Erneuerung der katholischen Kirche durch Martin Luther dar.

Historischer Hintergrund

Im Jahre 1453 wurde Konstantinopel durch die Türken eingenommen und zwang viele byzantinische Gelehrte zur Flucht nach Italien. Johannes Gutenberg entwickelte 1455 den Buchdruck mit beweglichen Lettern und beschleunigte damit die Verbreitung von Büchern. 1492 wurde Amerika von Christoph Kolumbus wiederentdeckt.

Durch Kopernikus setzte sich das heliozentrische Weltbild durch. Johannes Kepler entdeckte die Planetenbewegung. Durch Martin Luthers Thesen wurde die Reformation ausgelöst. Im Reichstag zu Worms 1521 wurde er daraufhin geächtet. Seine Bibelübersetzung trug wesentlich zur Durchsetzung der neuhochdeutschen Sprache bei. 1555 kam es zum Religionsfrieden, doch dieser konnte die Gegenreformation nicht aufhalten.

Die Dichtung der Renaissance

Der Humanismus ging von Italien aus, wo sich Schriftsteller wie Dante Alighieri und Giovanni Boccaccio einen Namen als Humanisten machten. Er wurde auch von byzantinischen Gelehrten beeinflusst, die nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken nach Italien kamen. Klerus und Adel beschäftigten sich mit der Übersetzung und Erhaltung klassischer Werke. Durch die Erfindung des Buchdrucks wurde die Verbreitung dieser Werke beschleunigt.

Der Humanismus breitete sich auch in den anderen Ländern Europas aus, wo er sich nicht nur auf Kunst und Literatur wie in Italien bezog. Deutsche Gelehrte schufen Programme zu einer humanistischen Erziehung und Theologie. Damit legten sie den Grundstein für die Reformation. Herausragende Vertreter des deutschen Humanismus waren Erasmus von Rotterdam, Ulrich von Hutten und Johannes Reuchlin. Letzter war Herausgeber der Dunkelmännerbriefe, welche Kritik an der Kirche aufwiesen.

Literarische Formen

  • Schwank
  • Fastnachtspiel
  • Volksbuch
  • Meistersang
  • Helden-, Ritter- und Abenteuerroman
  • Fabel
  • Streitgespräche
  • Narrenliteratur

Schwank:
Bedeutet Streich oder lustiger Einfall und stammt vom mittelhochdeutschen Wort swanc. Der Schwank ist eine komische, belehrende manchmal auch groteske Erzählung einer lustigen Begebenheit.

Fastnachtspiel:
Ist eine frühe Form des späteren Dramas. Es bestand meist aus Streitszenen. Es wurde durch die Meistersinger zur Verspottung des dritten Standes, denn sie höhnten über die Dummheit der Bauern. Das Fastnachtspiel hatte eine belehrende Funktion: Neben dem lustigen Spiel hatte es eine ernste, moralisierende Absicht. Außerdem sollte es politische und religiöse Ziele propagieren. Der bekannteste Vertreter der Fastnachtspiele ist Hans Sachs.

Volksbuch:
Verschiedene Gattungen von Texten, wie Sagen, Legenden, Gedichten, Balladen und Fabeln. Das Volksbuch verband Unterhaltung mit Lehrreichem. Der Begriff Volksbuch wurde von Herder erschaffen und bezeichnete volkstümliche, lehrhafte Dichtungen. Beispiel für ein Volksbuch: Historia von D. Johann Fausten.

Meistersang:
Der Meistersang entstand aus der Spruchdichtung und dem Minnesang. Die Meistersänger organisierten sich in Schulen. Der bekannteste von ihnen ist Hans Sachs aus Nürnberg. Der Meistersang bestand aus 3 Strophen, die ähnlich einem Minnelied aufgebaut waren: Die ersten beiden Strophen bildeten den Aufgesang, die dritte den Abgesang.

Vertreter

  • Dante Alighieri (1265-1321)
  • Giovanni Boccaccio (1313-1375)
  • Sebastian Brant (1457-1521)
  • Erasmus von Rotterdam (1469-1536)
  • Martin Luther (1483-1546)
  • Ulrich von Hutten (1488-1523)
  • Johannes Reuchlin (1455-1522)
  • Hans Sachs (1494-1576)
  • Johann Fischart (ca. 1546-1590)
  • Jörg Wickram (1505-1562)
  • Hermann Bote (1460-1520)
  • William Shakespeare (1564-1616)

Werke

  • Das Narrenschiff (1494) – Sebastin Brant
  • Thyl Ulenspiegel (Till Eulenspiegel, 1510/11) – Hermann Bote
  • Das Lob der Torheit (1511) – Erasmus von Rotterdam
  • Dunkelmännerbriefe (1515/17) – Johannes Reuchlin
  • An den christlichen Adel deutscher Nation (1520) – Martin Luther
  • Gesprächsbüchlein (1521) – Ulrich von Hutten
  • Neues Testament (1522) – übersetzt von Martin Luther
  • Lucretia (1527) – Hans Sachs
  • Das Kälberbrüten (1551) – Hans Sachs
  • Rollwagenbüchlein (1555) – Wickram
  • Historia von D. Johann Fausten (1587) – anonym
  • Die Schiltbürger (1598) – anonym

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Spätmittelalter (1250-1500) – Epoche der Literatur

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Epoche: Spätmittelalter

Der Begriff Mittelalter ging aus der nachfolgenden Epoche, der Renaissance, hervor. Die Humanisten wählten den Begriff für die Zeit zwischen Antike und der Neuzeit.

Weltbild des Spätmittelalters

Das mittelalterliche Weltbild ist tief von Kirche und Bibel geprägt. Gott ist der Erschaffer der Welt, der Natur und des Menschen und lenkt diese. Die Vertreibung aus dem Paradies wird als Beginn der Geschichte angesehen, die europäischen Königs- und Kaiserreiche – unter Einfluss der Kirche – als Vorläufer des Gottesreichs auf der Erde nach dem Jüngsten Gericht. Der einzelne Mensch ist Bestandteil dieser Ordnung, er fühlt sich als Teil der Gesellschaft, nicht als Individuum.

Historischer Hintergrund

In den Ländern Westeuropas errungen die Könige stetig an Macht. In Deutschland hingegen nahm die Macht ab, die der Reichs- und Kurfürsten hingegen stieg. Die Kurfürsten hatten nun das Recht einen König zu wählen. Die Städte erhielten große politische und wirtschaftliche Macht und wurden zu neuen Bildungszentren neben den Höfen.

Durch den Niedergang des Rittertums nach dem Ende der Stauferzeit gewann das aufsteigende Bürgertum zunehmend mehr politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss. Das bürgerlich geprägte Spätmittelalter orientierte sich am höfischen Hochmittelalter. Es kam zu einer Blüte des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Einen dunklen Einschnitt hinterließen jedoch die Pestepidemien um 1350 in ganz Europa.

Die Naturwissenschaften waren in einem großen Aufschwung und die Anzahl der Schulen und Universitäten nahm rasch zu. Die Leserschaft des Spätmittelalters bekam durch Erfindung des Buchdrucks von Johannes Gutenberg und Rückgang des Analphabetismus ebenfalls einen großen Zuwachs.

Die spätmittelalterliche Dichtung

Der Minnesang veränderte sich stark: einerseits entwickelte er sich zum Meistersang, andererseits löste er sich im Volkslied auf. Das höfische Epos und das Heldenepos bestanden weiterhin, aber wichen der Erzählprosa zurück. Johannes von Tepl schuf das wichtigste spätmittelalterliche Prosawerk: Der Ackermann aus Böhmen.

Im 13. Jahrhundert entstand das erste deutschsprachige Schauspiel. Vorausgegangen waren viele geistliche Spiele und es folgten darauf später die Fastnachtspiele. Nach Überwindung der Pestepidemien besann man sich wieder mehr auf geistliche Literatur. Es bildeten sich Geißlerlieder und Totentänze heraus.

Daneben traten aber auch die bekannten Schwankdichtungen zum Vorschein. Die geistliche Dichtung im Spätmittelalter war geprägt vom geistlichen Drama, zu dem Osterspiele, Weihnachtsspiele, Passions- und Marienspiele zählten. Diese Spiele hatten eine große Zuschauerschaft: nämlich das Volk, da sie meist auf großen Plätzen aufgeführt wurden. Sie blieben also nicht nur den hohen Schichten des Volkes vorbehalten.

Im Spätmittelalter entwickelte sich das Frühneuhochdeutsch heraus, allerdings nicht durch spätmittelalterliche Dichtung, sondern durch die beginnende Entfaltung der Fachliteratur. Diese wurde weiter verbreitet als die Dichtung und war für die Menschen aller Stände auch bedeutsamer. Ein Hinweis darauf gibt auch die Anzahl der heutigen Überlieferungen: Von der mittelalterlichen Fachliteratur existieren um ein Vielfaches mehr Überlieferungen als die mittelalterlichen Dichtungen.

Literarische Formen im Spätmittelalter

  • Schwank
  • Totentanz
  • Volksbuch
  • Volkslied
  • Meistersang
  • Fastnachtspiel
  • Geistliches Drama
  • Legenden

Schwank:
Bedeutet Streich oder lustiger Einfall und stammt vom mittelhochdeutschen Wort swanc. Der Schwank ist eine komische, belehrende manchmal auch groteske Erzählung einer lustigen Begebenheit.

Totentanz:
Der Totentanz ist eine sinnbildliche Darstellung von Menschen, die mit Toten (meist Skelette) tanzen. Die Abbildung wird meist mit Versunterschriften kommentiert. Der Totentanz weist auf die Vergänglichkeit hin, fordert zur Reue auf und stellt die Unausweichbarkeit des Todes dar. Er beruht auf einem mittelalterlichen Aberglauben, dass Tote als Skelette aus ihren Gräbern steigen und die Lebenden mit einem Tanz verlocken, um sie zu sich zu holen.

Volksbuch:
Verschiedene Gattungen von Texten, wie Sagen, Legenden, Gedichten, Balladen und Fabeln. Das Volksbuch verband Unterhaltung mit Lehrreichem.

Meistersang:
Der Meistersang entstand aus der Spruchdichtung. Die Meistersänger organisierten sich in Schulen. Der bekannteste von ihnen ist Hans Sachs aus Nürnberg. Der Meistersang bestand aus 3 Strophen, die ähnlich einem Minnelied aufgebaut waren: Die ersten beiden Strophen bildeten den Aufgesang, die dritte den Abgesang.

Fastnachtspiel:
Ist eine frühe Form des späteren Dramas. Es besteht meist aus Streitszenen. Das Fastnachtspiel wurde durch die Meistersinger zur Verspottung des dritten Standes, denn sie höhnten über die Dummheit der Bauern. Das Fastnachtspiel hatte eine belehrende Funktion: Neben dem lustigen Spiel hatte es eine ernste, moralisierende Absicht. Außerdem sollte es politische und religiöse Ziele propagieren. Der bekannteste Vertreter der Fastnachtspiele ist Hans Sachs.

Vertreter des Spätmittelalters

  • Hugo von Trimberg (ca. 1230 – ca. 1315)
  • Heinrich von Meißen (ca. 1250-1318)
  • Johannes von Tepl (ca. 1350-1414)
  • Oswald von Wolkenstein (ca. 1377-1445)
  • Mechthild von Magdeburg (1208-1282/97)
  • Gertrud von Hefta (1256-1302)
  • Meister Eckhart (ca. 1260-1328)
  • Heinrich Seuse (ca. 1295-1366)
  • Hans Folz (ca. 1435-1513)
  • Heinrich von Mügeln (ca. 1325-ca. 1395)
  • Ulrich Füetrer (t ca. 1500)

Werke des Spätmittelalters

  • Meier Helmbrecht (1280) – Wernher der Gartenaere
  • Das fließende Licht der Gottheit (1282) – Mechthild von Magdeburg
  • Lohengrin (1280/90) – anonym
  • Mystische Schriften (1295/1327) – Meister Eckhart
  • Der Renner (1300) – Hugo von Trimberg
  • Das Büchlein der ewigen Weisheit (1327/34) – Seuse
  • Gedichte (1400/45) – Oswald von Wolkenstein
  • Der Ackermann aus Böhmen (ca. 1400) – Johannes von Tepl
  • Das Buch der Abenteuer (1473/83) – Ulrich Füetrer

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Hochmittelalter (1170-1250) – Epoche der Literatur

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Epoche: Hochmittelalter

Der Begriff Mittelalter ging aus der nachfolgenden Epoche, der Renaissance, hervor. Die Humanisten wählten den Begriff für die Zeit zwischen Antike und der Neuzeit. Für die hochmittelalterliche Dichtung werden auch die Bezeichungen Höfische Literatur und Stauffische Klassik verwendet.

Weltbild des Hochmittelalters

Das mittelalterliche Weltbild ist tief von Kirche und Bibel geprägt. Gott ist der Erschaffer der Welt, der Natur und des Menschen und lenkt diese. Die Vertreibung aus dem Paradies wird als Beginn der Geschichte angesehen, die europäischen Königs- und Kaiserreiche – unter Einfluss der Kirche – als Vorläufer des Gottesreichs auf der Erde, nach dem Jüngsten Gericht. Der einzelne Mensch ist Bestandteil dieser Ordnung, er fühlt sich als Teil der Gesellschaft, nicht als Individuum.

Historischer Hintergrund

Mit der Übernahme der Herrschaftsgewalt der Staufer über die Salier 1125 setzte alsbald das Hochmittelalter ein. Ihren Höhepunkt der Macht erreichten die Staufer unter Friedrich I. – Barbarossa. 1270 erlosch jedoch das Staufergeschlecht und die Macht ging an die Adelshäuser der Luxemburger, Wittelsbacher und Habsburger über. Die Habsburger stellten dann den römisch-deutschen König.


In fast allen Lebensbereichen fand ein umfassender Wandel statt. Die Anzahl der Menschen wuchs rasch. Durch gestiegenen Nahrungsbedarf verbesserte sich die landwirtschaftliche Produktion. Handwerk und Handel erlebten einen ähnlichen Aufschwung; die Tauschwirtschaft wurde von der Geldwirtschaft verdrängt. Die Kirche erlangte eine geordnete Hierarchie, deren Oberhaupt nun ein Papst war.

Das Hochmittelalter war die Blütezeit vieler geistlicher Orden, jedoch kam es häufig zu Konfrontationen geistlicher und weltlicher Herrschaft, die im Investiturstreit mündeten. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung setzte auch ein kultureller Aufbruch ein: Schreiben und Lesen blieb nicht mehr dem Klerus vorbehalten; die Literatur richtete sich jetzt an ein adliges Publikum.

Die hochmittelalterliche Dichtung

Im Hochmittelalter fand der Minnesang seine Blütezeit. Neben diesen Lobgesang entstanden noch das Tagelied und Kreuzlied. Die schönsten Minnelieder stammen von Walther von der VogelweideHartmann von Aue und Heinrich von Morungen. Sie entwickelten auch die Spruchdichtung weiter.

Neben dem Minnesang entstand das höfische Epos und Heldenepos. Mit Erec (ca. 1180) schuf Hartmann von Aue den ersten deutschen Artusroman. Das bedeutendste Epos des Mittelalters, Parzival, wurde von Wolfram von Eschenbach geschrieben. Auch Gottfried von Straßburg erlangte großen Ruhm durch sein Epos Tristan und Isolde. Ein weiteres Werk erhielt große Bedeutung: das Nibelungenlied, ein Heldenepos, das jedoch anonym überliefert ist. Die Epen des Hochmittelalters waren Versepen, die aus Reimpaaren aufgebaut waren. Im Hochmittelalter bildete sich das Mittelhochdeutsch heraus.

Neben Minne und Epos entstand die Vagantendichtung. Sie stellte Gegenstände des irdischen Lebens dar und stand somit im Gegensatz zu Minnesang und Epos. Die Vagantendichtung wurde in lateinischer Sprache verfasst, deren berühmtestes Werk die Carmina Burana ist.

Rittertum Das Rittertum spielte im Hochmittelalter eine herausragende Rolle. Ursprünglich bezeichnete man mit Rittertum eine militärische Institution im fränkischen Heerwesen. Die ehemals berittenen Krieger im Dienste von Adligen und Königen übernahmen deren Lebensformen.

Der Begriff Ritter galt nun als Standesbezeichnung. Es bildete sich ein Rittertum heraus, welches geprägt wurde von Festen, Turnieren, typischen Symbolen (z. B. Wappen) und spezieller Kleidung. Es entstanden drei wesentliche ritterliche Ideale: Dienst für den Herrn (weltliche Ritterideale), Dienst für die Kirche und Christenheit (christliche Ritterideale) und den Frauendienst. Die Wirklichkeit sah jedoch anders aus: Habgier, Hurerei und Totschlag waren typische Sünden der Ritter. Die hochmittelalterliche Dichtung hatte die Aufgabe, das ritterliche Ideal darzustellen. Das höfische Epos (Ritterepos) und der Minnesang waren die Hauptformen der ritterlichen Dichtung.

Leitbegriffe höfischer Ritter/
ritterliche Tugenden
Leitbegriffe der Mönche
mâze: maßvolles Leben, Zurückhaltungzuht: Erziehung nach festen Regelnêre: ritterliches Ansehen, Würdetriuwe: Treuehôher muot: seelische Hochstimmungmilte: Freigiebigkeitwerdekeit: Würdestaete: Beständigkeit, Festigkeitgüete: Freundlichkeitmanheit: TapferkeitBeten, Hilfsbereitschaft, Keuschheit, asketische Lebensführung

Minnesang Minne ist der Begriff für höfische Liebe des Mittelalters und stammt vom althochdeutschen Wort minna (‚Liebe‘). Die Minnedichtung ist die älteste Liebesdichtung im westeuropäischem Sprachraum. Die Minnesänger kamen aus allen Ständen, standen aber als solche gleichrangig nebeneinander.

Die Strophenform eines Minneliedes war die Stollenstrophe. Diese Bezeichnung wurde von Jakob Grimm vom Meistersang auf den Minnesang übertragen. Eine Stollenstrophe bestand aus 3 Stollen. Die ersten beiden Stollen waren melodisch gleich, sie bildeten den Aufgesang und waren die Stützen für den 3. Stollen, den Abgesang.

Aufbau einer Stollenstrophe
Aufbau einer Stollenstrophe Im Minnelied lobte man meist die Gesamtheit der Frauen und nicht nur eine einzelne Frau. Im Zentrum des Minneliedes stand die Liebeserklärung eines Ritters (des Minnesängers) an eine adlige Frau. Er pries ihre Schönheit und Vorzüge, hoffte auf die Erhörung, beklagte aber auch die Unerfüllung. Somit enthielten Minnelieder einen Konflikt zwischen geistiger Liebe und Besinnung. Sie waren Bestandteil des Minnedienstes und wurden vor allem bei Hoffesten vorgetragen. Der Minnedienst war ein Teil der ritterlichen Erziehung und die Minne selbst stellte das Ritterideal dar.

Under der linden – Walther von der Vogelweide

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
Dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
Dâ wart ich empfangen,
hêre frouwe,
daz ich bin saelic iemer mê.
Kuster mich? wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.

Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.

Daz er bî mir laege,
wessez iemen
(nu enwelle got!), sô schamt ich mich.
Wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich.
Und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.

Literarische Formen im Hochmittelalter

  • Heldenepos
  • höfisches Epos
  • Artusepik
  • Minnesang
  • Spruchdichtung
  • Tagelied
  • Kreuzlied
  • Leich
  • Vagantendichtung

Höfisches Epos:
Im Mittelpunkt steht meist ein adliger Ritter, der viele Abenteuer bestehen und seine Ideale beweisen muss, damit er die höchste Ritterwürde erhält: die Aufnahme in die Tafelrunde am Hofe des Königs Arthus; z. B. ParzivalErec oder Iwein.
Das höfische Epos zeigt die Vorstellung des Lebensideals und der ritterlichen Tugenden.
Heldenepos: Im Mittelpunkt steht das Bestehen eines Abenteuers.

Spruchdichtung:
Die Spruchdichtung unterscheidet sich zwischen „Sprechspruch“, mit belehrendem Inhalt, und dem lyrischen „Sangspruch“, mit religiösen, politischen oder moralischen Inhalten. Ein bedeutender Vertreter des Sangspruchs war Walther von der Vogelweide. Der Sangspruch löste sich später in den Meistersang auf.

Tagelied:
Das Tagelied ist ein Minnelied, das die Verabschiedung zweier Liebender nach einer gemeinsamen Liebesnacht, den Schmerz des Abschieds und die Furcht der Aufdeckung der Liebe zum Thema hat. Herausragende Tagelied-Dichter sind Walther von der Vogelweide (z. B. Friuntlichen lac), Heinrich von Morungen (z. B. Owê, – Sol aber mir iemer mê) und Wolfram von Eschenbach.

Kreuzlied:
Das Kreuzlied ist eine Form des Minnesangs, in welcher der Minnesänger vor der Entscheidung steht, sich einem Kreuzzug anzuschließen oder den Minnedienst für seine Herrin fortzuführen. Kreuzlieder schrieben z. B. Friedrich von Hausen (z. B. Min herze und min lip die wellent scheiden) und Albrecht von Johannsdorf (z. B. Ich und ein wîp).

Vertreter des Hochmittelalters

Werke des Hochmittelalters

  • Lieder (1170) – Kürenberger
  • Lieder (ca. 1170) – Dietmar von Aist
  • Reichston – Walther von der Vogelweide
  • Minnelieder (1170-1190) – Heinrich von Veldeke
  • Minnelieder (1170-1190) – Friedrich von Hausen
  • Minnelieder (seit 1180) – Albrecht von Johannsdorf
  • Minnelieder (seit 1180) – Heinrich von Morungen
  • Minnelieder (seit 1185) – Reinmar der Alte
  • Minnelieder (1200/05) – Wolfram von Eschenbach
  • Erec (ca. 1180) – Hartmann von Aue
  • Iwein (ca. 1200) – Hartmann von Aue
  • Gregorius (1187/89)- Hartmann von Aue
  • Der arme Heinrich (1195) – Hartmann von Aue
  • Lanzelet (1195/1215) – Ulrich von Zatzikhoven
  • Eneid (ca. 1170 – ca. 1190) – Heinrich von Veldeke
  • Parzival (1200/10) – Wolfram von Eschenbach
  • Tristan und Isolde (ca. 1210) – Gottfried von Straßburg
  • Nibelungenlied (ca. 1200) – anonym
  • Wigalois (ca. 1205) – Wirnt von Grafenberg
  • Willehalm (ca. 1215) – Wolfram von Eschenbach
  • Titurel (ca. 1215)- Wolfram von Eschenbach
  • Kudrun (ca. 1230/40) – anonym
  • Weltchronik (1250/54) – Rudolf von Ems
  • Der Welt Lohn (ca. 1267) – Konrad von Würzburg

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Frühmittelalter (500–1180) – Epoche der Literatur

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Epoche: Frühmittelalter

Der Begriff Mittelalter ging aus der nachfolgenden Epoche, der Renaissance, hervor. Die Humanisten wählten den Begriff für die Zeit zwischen Antike und der Neuzeit.

Weltbild des Frühmittelaters

Das mittelalterliche Weltbild ist tief von Kirche und Bibel geprägt. Gott ist der Erschaffer der Welt, der Natur und des Menschen und lenkt diese. Die Vertreibung aus dem Paradies wird als Beginn der Geschichte angesehen, die europäischen Königs- und Kaiserreiche – unter Einfluss der Kirche – als Vorläufer des Gottesreichs auf der Erde, nach dem Jüngsten Gericht. Der einzelne Mensch ist Bestandteil dieser Ordnung, er fühlt sich als Teil der Gesellschaft, nicht als Individuum.

Historischer Hintergrund

Die einsetzende Völkerwanderung und der Zerfall des Römischen Reiches markieren den Beginn des Mittelalters und damit gleichzeitig das Ende der Antike. Die Herrschaftsgewalt zersplitterte sich zunächst in grundherrschaftliche, später in lehensrechtliche Beziehungen bis hin zur Entstehung des Königreiches. Die Macht wurde dabei nicht nur von den Adligen, meistens Lehnsherren, ausgeübt, sondern auch von der Kirche, die eine eigene Machtposition vertrat.

Durch Salbung des Königs war dieser auch kirchlich legitimiert. Im Frühmittelalter war die Kirche der Kulturträger der Gesellschaft, denn meist wusste nur der Klerus über das Lesen und Schreiben Bescheid. Die Gesellschaft war geteilt in die Stände Klerus, Adel und Bauern. Sie richtete sich auf agrarwirtschaftliche und naturalwirtschaftliche Produktion aus.

Das Frühmittelalter wurde von drei bedeutenden Adelsgeschlechtern geprägt: den Karolingern, den Ottonen und den Saliern. Das fränkische Hochadelsgeschlecht beherrschte von 750-900 Westeuropa. Sein bedeutendster Vertreter war Karl der Große (768-814), der im Jahre 800 zum ersten Kaiser vom Papst gekrönt wurde. Nach dessen Tode zerfiel das Karolingerreich. Die östlichen Gebiete, dem späteren Heiligen Römischen Reich, wurden von den Ottonen (900-1024) übernommen.

Das Ottonengeschlecht erlosch, als des nach dem Tode Heinrich II. keine männlichen Nachfolger mehr gab. Die Königswürde wurde auf Konrad II., einem Salier, übertragen. Das fränkische Adelsgeschlecht der Salier regierte von 1024-1125. Nach dem Tod des kinderlosen letzten salischen Königs ging dessen Besitztümer an die Staufer über.

Die frühmittelalterliche Dichtung

     Germanische Literaturzeugnisse

Die Germanen brachten bei ihrer Völkerwanderung eine eigene Literatur mit. Es entstanden in verschiedenen Gegenden unterschiedliche Sagenkreise. Überlieferungen aus der Germanischen Literatur sind das Hildebrandslied und die Merseburger Zaubersprüche.

Die Merseburger Zaubersprüche wurden erst im 10. Jahrhundert aufgezeichnet, entstanden wahrscheinlich aber noch vor 750. Der erste Spruch dient der Befreiung eines Gefangenen, der zweite Spruch zur Heilung eines verrenkten Pferdefußes. Das Hildebrandslied ist das einzige germanische Heldenlied in althochdeutscher Sprache. Das Hildebrandslied wurde um 830 von zwei Mönchen des Fuldaer Klosters auf die inneren Deckblätter eines Gebetbuches geschrieben. Entstanden ist es um 770/780.

Die 68 erhaltenen stabenden Langzeilen berichten vom Vater-Sohn-Kampf zwischen Hildebrand und Hadubrand, die Handlung bricht aber mitten im Kampf ab. Aus altnordischen Dichtungen geht hervor, dass Hildebrand seinen Sohn erschlägt.

Merseburger Zaubersprüche: Zweiter Spruch

Phol ende uuodon uuorun zi holza.
du uuart demo balderes uolon sin uuoz birenkit.
thu biguol en sinthgunt, sunna era suister,
thu biguol en friia, uolla era suister,
thu biguol en uuodan, so he uuola conda:
sose benrenki, sose bluotrenki,
sose lidirenki:
ben zi bena, bluot zi bluoda,
lid zi geliden, sose gelimida sin.

Übersetzung

Phol und Wodan ritten zu Walde.
Da ward dem Fohlen Balders sein Fuss verrenkt.
Da besprachen ihn Sinthgund und Sunna, ihre Schwester,
da besprachen ihn Frija und Volla, ihre Schwester,
da besprach ihn Wodan, wie er’s wohl verstand:
So Beinverrenkung, so Blutverrenkung,
so Gliedverrenkung: Bein zu Beine, Blut zu Blute,
Glied zu Glieden, als wenn sie geleimet wären.

     Althochdeutsche Literatur (760-1060)

Unter Karl dem Großen (768-814) wurden die Germanen christianisiert und die Geistlichen betrachteten es als ihre Aufgabe, den „Bekehrten“ die christliche Literatur nahezubringen. Die Lese- und Schreibkunst blieb lediglich den Mönchen vorbehalten. Die althochdeutsche Literatur vereint zwei Traditionsstränge: germanisch-heidnische Elemente und christlich-antike Elemente. Um 760/765 verfasste der Bischof Arbeo von Freising ein lateinisch-deutsches Wörterbuch, das nach seinem ersten Eintrag benannt wurde: Abrogans. Dieses Werk ist das erste erhaltene Zeugnis der deutschen Sprache.

Heidnische Zaubersprüche wurden von den Christen als Segenssprüche übernommen. Die heidnischen Götter wurden dabei ausgelassen und für sie wurde Gott eingesetzt.
Für die deutsche Literaturgeschichte ist die um 865 entstandene Evangelienharmonie von Otfrid von Weißenburg von großer Bedeutung.

Otfrid führte als erster Dichter den Endreim in die deutschsprachige Literatur ein. Seine Evangelienharmonie, die das Leben Jesu von der Geburt bis zur Auffahrt in den Himmel schildert, ist in vier Handschriften überliefert.

     Frühmittelhochdeutsche Literatur (1060-1120)

Die Paraphrase des Hohen Liedes (um 1060) von Williram von Ebersberg markiert den Beginn der mittelhochdeutschen Dichtung. Darin deutete Williram das Verhältnis Braut – Bräutigam auf das Verhältnis Kirche – Gott um.

Das über den Kölner Erzbisch Anno verfasste Annolied (ca. 1080) ist das erste biographische Werk der deutschen Sprache. Im Annolied wird Anno als Heiliger dargestellt, der gegen die zerstörerischen Folgen weltlicher Taten im Sinne der weltverneinenden Haltung der kluniazensischen Reform wirkt. Das Werk beginnt aber mit einer Abhandlung der Menschheitsgeschichte bis hin zum Römischen Reich. Außerdem enthält es einen Hinweis auf die Krimgoten.

     Vorhöfische Literatur (1120-1180)

Zwischen 1120 und 1140 entstand das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht. Es ist das erste Werk in der deutschen Literaturgeschichte, das nicht auf eine lateinische Quelle, sondern eine volksprachliche (altfranzösische) Quelle zurückgeht: ein Gedicht von Alberich von Besancon. Zudem ist es das erste weltliche Epos in deutscher Sprache. Das Alexanderlied berichtet über das Leben Alexanders des Großen.

Zu den profanen Werken profaner Autoren zählen die anonym verfassten, sogenannten Spielmannsepen König Rother (ca. 1150), Salman und Morolf (ca. 1160), Sanct Oswald (ca. 1170), Herzog Ernst (ca. 1180) und Orendel (ca. 1180). Diese waren bisher nur mündlich überliefert und wurden nun von den Autoren am Schreibpult buchmäßig gestaltet.

Eine der bekanntesten Vertreterinnen der Mystik war Hildegard von Bingen (1098-1179) mit ihrem Werk Liber Scivias (Wisse die Wege, 1141/53), welches den Beginn der deutschsprachigen Mystik markiert.

Literarische Formen im Frühmittelalter

  • Zaubersprüche
  • Segen
  • Rätsel
  • Gelöbnisse
  • Heldensagen
  • Fürstenpreis/Fürstenlob
  • Gebete
  • Evangelienharmonien
  • Memento mori
  • Spielmannsepen

Evangelienharmonie:
Verschmelzung der vier Evangelien zu einer fortlaufenden Handlung, in der das Leben Jesu geschildert wird.

Vertreter des Frühmittelalters

  • Arbeo von Freising
  • Otfrid von Weißenburg (ca. 800 – ca. 870)
  • Notker III./ der Deutsche/ Labeo von St. Gallen (ca. 950-1022)
  • Williram von Ebersberg
  • Ezzo von Bamberg
  • Noker von Zwiefalten
  • Pfaffe Lamprecht
  • Pfaffe Konrad
  • Heinrich von Melk
  • Archipoeta
  • Hildegard von Bingen

Werke des Frühmittelalters

  • Merseburger Zaubersprüche (8. Jh.) – anonym
  • Hildebrandslied (ca. 830) – anonym
  • Abrogans (760/765) – Arbeo von Freising
  • Wiener Hundesegen – anonym
  • Ludwigslied (881) – anonym
  • Wessobrunner Gedicht und Gebet (ca. 770) – anonym
  • Muspilli (9. Jh.) – anonym
  • Petruslied (ca. 880) – anonym
  • Übersetzung der Evangelienharmonie Tatians (ca. 830) – anonym
  • Heliand (ca. 830) – anonym
  • Evangelienharmonie (ca. 865) – Ofrid von Weißenburg
  • Paraphrase des Hohen Liedes (ca. 1060) – Williram von Ebersberg
  • Ezzolied (ca. 1065) – Ezzo
  • Memento mori (ca. 1070) – Noker von Zwiefalten
  • Annolied (ca. 1080) – anonym
  • Alexanderlied (ca. 1120/40) – Pfaffe Lamprecht
  • Kaiserchronik (ca.1135/55) – anonym
  • Rolandslied (ca. 1170) – Pfaffe Konrad
  • Von des tôdes gehugde (Mitte-Ende 12. Jh.) – Heinrich von Melk
  • König Rother (ca. 1150) – anonym
  • Salman und Morolf (ca. 1160) – anonym
  • Sanct Oswald (ca. 1170) – anonym
  • Herzog Ernst (ca. 1180) – anonym
  • Orendel (ca. 1180) – anonym
  • Liber Scivias (1141/53) – Hildegard von Bingen

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Friedrich von Schiller

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* 10. November 1759 in Marbach
† 9. Mai 1805 in Weimar

Das Leben von Friedrich von Schiller

Kindheit und Jugend

Am 10. November 1759 wird Johann Christoph Friedrich Schiller in Marbach als Sohn des Arztes Johann Caspar Schiller geboren. 1766 tritt er nach Besuch der Lorcher Dorfschule in die Ludwigsburger Lateinschule ein. Nach einer Weisung des Herzogs Karl Eugen studiert Schiller seit 1773 zunächst Jura, ab 1775 dann Medizin an einer Militärakademie bei Stuttgart. Schiller macht sich in dieser Zeit mit der Lektüre zahlreicher Dichter und Philosophen vertraut, darunter auch Klopstock, Lessing und Shakespeare.

Schiller (Bild aus: Wikimedia Com.)

Der Stürmer und Dränger

Unter dem Einfluss der Aufklärung nimmt Schiller 1777 die Arbeit an den Räubern auf (1781 anonym erschienen). Schiller nahm damit eine zentrale Rolle des Sturm und Drangs ein. 1780 schließt er die Militärakademie im zweiten Anlauf mit der Dissertation Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen ab. Im selben Jahr wird er von Karl Eugen in Stuttgart zum Regimentsarzt ernannt.

Nachdem er Stuttgart zweimal unerlaubt verlassen hat, im Januar 1782 zur Uraufführung seiner Räuber nach Mannheim und im Mai des gleichen Jahres ein weiteres Mal nach Mannheim, erhält Schiller zwei Wochen Arrest und Schreibverbot. In Begleitung seines Freundes Andreas Streicher flüchtet Schiller aus Stuttgart und taucht zunächst in Mannheim unter. Bis Ende dieses Jahres hält er sich in weiteren Orten, z. B. Frankfurt a. M., versteckt.

Im Dezember 1782 wird er von der Schriftstellerin Henriette von Wolzogen aufgenommen und erhält ein Gut in Bauerbach (Thüringen). Hier nimmt der die Arbeit an Luise Millerin, das später in Kabale und Liebe umbenannt wurde, auf. 1783 wird Luise Millerin fertiggestellt. Schiller erhält für ein Jahr eine Anstellung als Theaterdichter in Mannheim. Eine zweite Fassung seines Fiesko, ein historisches Drama, bringt keinen Erfolg. Erst mit der Aufführung von Kabale und Liebe 1784 stellt sich der ersehnte Erfolg ein. Schiller wird daraufhin Mitglied der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft und hält seine Antrittsrede Vom Wirken der Schaubühne auf das Volk, die 1802 überarbeitet als Die Schaubühne als moralische Anstalt erscheint.

Nachdem sein Anstellungsvertrag am Mannheimer Theater nach einem Jahr auslief und nicht verlängert wurde, geriet Schiller in finanzielle Schwierigkeiten. 1785 wird er von seinem Verehrer und späteren Freund Christian Gottfried Körner aufgenommen.

Zwischen 1785 und 1787 hält sich Schiller vorwiegend in Leipzig und Dresden auf. In dieser Zeit konnten nur wenige Werke beendet werden, darunter die Hymne An die Freude, die später von Beethoven vertont wurde, und Don Carlos. Im Juli 1787 verlässt Schiller Dresden und übersiedelt nach Weimar.

Schillers Geburtshaus

Dieses Haus in Marbach am Neckar, nahe Ludwigsburg, ist Schillers Geburtshaus. Heute ist es ein Museum und für jeden zugänglich.

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Der Klassiker

In der Zeit von Juli 1787 bis Mai 1788 hält sich Schiller in Weimar auf. Dort macht er Bekanntschaft mit Johann Gottfried von Herder und Christoph Martin Wieland. Schiller wird für diese Zeit Mitarbeiter von Wielands Zeitschrift Der Teutsche Merkur.

Im Winter 1788 besucht Schiller Süddeutschland und lernt Charlotte von Lengefeld kennen, die er am 22. Februar 1790 heiratete. Schiller beschäftig sicht intensiv mit historischen Studien, daraus resultierte auch die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung (1788), um seine finanzielle Lage zu verbessern.

Im selben Jahr lernt er Johann Wolfgang von Goethe kennen. 1789 wird Schiller zum Professor für Geschichte an die Universität Jena berufen. Seine Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? wird von den Studenten mit großer Begeisterung aufgenommen.

1790 erhält Schiller eine jährliche Pension vom Herog Karl August von Weimar, um die geplante Hochzeit mit Charlotte von Lengefeld zu ermöglichen. Schiller erkrankt im selben Jahr auch an einer schweren Lungenentzündung, von der er sich nie mehr richtig erholen wird. Durch die Krankheit geriet er wieder in finanzielle Schwierigkeiten.

1791 erhält er Besuch vom dänischen Dichter Baggesen, der sich bei seiner Regierung für ihn einsetze und diese ihm schließlich eine dreijährige Pension gewährt, die nach Ablauf noch zwei weitere Jahre verlängert wurde. In seiner Jenaer Zeit setzt sich Schiller vor allem mit den Werken Immanuel Kants auseinander, dessen idealistische Philosophie Schillers Ästhetik in seiner klassischen Periode maßgeblich beeinflusste.

1792 wird Schiller von der Französischen Republik für sein Drama Die Räuber zum französischen Ehrenbürger ernannt. Außerdem erleidet er einen Rückfall seiner Krankheit, die ihn zwingt seine Lehrtätigkeit auszusetzen. Zu Beginn des Jahres 1793 kann Schiller seine Vorlesungen wieder aufnehmen. Sein Sohn Carl wird geboren. Schiller gründet die literarische Zeitschrift Die Horen.

Das Jahrzehnt mit Goethe

1794 kommt es zu verschiedenen Begegnungen, u. a. mit Hölderlin, Johann Gottlieb Fichte und Wilhelm von Humboldt. Auch mit Johann Wolfgang von Goethe kommt es zu einer Annäherung, indem er ihn als Mitarbeiter für seine Zeitschrift Die Horen gewinnt. Zwischen Goethe und Schiller entwickelt sich eine immer stärker werdende Freundschaft.

Goethe (Bild aus: Wikipedia)

Schiller besucht Goethe in Weimar mehrere Male. Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) und Über naive und sentimentalische Dichtung (1795) erscheint in den Horen. Zwischen Goethe und Schiller besteht in dieser Zeit ein reger Briefwechsel. 1796 erscheinen die aus gemeinsamer Arbeit zwischen beiden resultierten Xenien in Schillers Muselalmanach. Im berühmten Balladenjahr 1797 entstehen zahlreiche Balladen, die auch auf den Einfluss Goethes zurückzuführen sind, und die auch im Muselalmanach veröffentlicht werden. Die entstandenen Werke von Schiller und Goethe dieser Zeit orientieren sich an der Antike und Renaissance und prägten den Stil der Weimarer Klassik.

Schiller wendet sich nun verstärkt der Dichtung zu. 1799 kann seine Wallenstein-Trilogie fertiggestellt und uraufgeführt werden. Im Dezember 1799 übersiedelt er mit seiner Familie nach Weimar. Dort wird er Mitarbeiter des Weimarer Theaters. In rascher Abfolge entstehen nun die Theaterstücke Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orleans (1801), Die Braut von Messina (1803) und Wilhelm Tell (1804).

1802 wird Schiller geadelt und darf sich nun Friedrich von Schiller nennen. Seine Arbeit am Drama Demetrius kann nicht mehr vollendet werden. Schiller stirbt am 9. Mai 1805 infolge eines schweren Rückfalls seiner ein Jahr zuvor erneut ausgebrochenen Krankheit. 1827 wird sein Sarg in der Weimarer Fürstengruft überführt, in der man später auch Goethe beisetzt.

Zeittafel

DatumEreignis
10.11.1759Geburt Schillers in Marbach
1773Aufnahme eines Jurastudiums an einer Militärakademie bei Stuttgart
1775Schiller studiert Medizin
1777Schiller arbeitet an den ersten Szenen der Räuber
1780Abschluss der Militärakademie und Ernennung Schillers zum Regimentsarzt
1782Uraufführung der Räuber in Mannheim, unerlaubte Teilnahme Schillers daran; zweiwöchige Arreststrafe und Schreibverbot; gemeinsame Flucht Schillers mit seinem Freund Streicher aus Stuttgart; Aufenthalt Schillers an verschiedenen Orten Deutschlands
Dezember 1782Aufnahme Schillers bei der Schriftstellerin Henriette von Wolzogen; erste Arbeiten an Kabale und Liebe
1783einjährige Anstellung in Mannheim als Theaterdichter
1785Aufnahme Schillers bei seinem Freund Körner
1787langer Aufenthalt Schillers in Weimar; Schiller macht Bekanntschaft mit Herder und Wieland
1788Schiller ist in Süddeutschland unterwegs und lernt Charlotte von Lengenfeld kennen; erste Begegnung zwischen Schiller und Goethe
1789Schiller wird Professor für Geschichte an der Universität in Jena; große Begeisterung über seine Antrittsrede Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?
1790schwere Erkrankung an einer Lungenentzündung
22.02.1790Heirat Schillers mit Charlotte von Lengenfeld
1792Schiller wird zum Ehrenbürger der Französischen Republik für sein Bühnenwerk Die Räuber
1793Gründung der Zeitschrift Die Horen
1794Begegnung Schillers mit Hölderlin, Fichte und Wilhelm von Humboldt
1795Freundschaft Schillers mit Goethe wird immer stärker; reger Briefwechsel zwischen beiden; Beginn gemeinsamer Arbeiten; häufige Besuche Schillers in Weimar
1797Entstehung zahlreicher Balladen im sogenannten „Balladenjahr“ unter dem Einfluss von Goethe
1799Vollendung und Uraufführung der Wallenstein-Trilogie
Dezember 1799Übersiedlung Schillers nach Weimar; Mitarbeit am hiesigen Theater
1800Maria Stuart wird vollendet
1802Schiller wird geadelt
1804Wilhelm Tell wird fertiggestellt
09.05.1805Tod Schillers
1827Beisetzung Schillers in der Weimarer Fürstengruft

Werke von Friedrich von Schiller

Dramen:

  • Die Räuber (1781)
  • Kabale und Liebe (1783)
  • Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (1784)
  • Don Carlos (1787)
  • Wallenstein-Trilogie (1799)
  • Wallensteins Lager
  • Die Piccolomini
  • Wallensteins Tod
  • Maria Stuart (1800)
  • Die Jungfrau von Orleans (1801)
  • Die Braut von Messina (1803)
  • Wilhelm Tell (1804)
  • Demetrius (1805, Fragment)

Erzählungen:

  • Der Verbrecher aus verlorener Ehre (1786)
  • Der Geisterseher (1789, Fragment)

Lyrik:

Literaturtheoretische Schriften:

Historische Schriften:

  • Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung (1788)
  • Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? (1789)
  • Geschichte des dreißigjährigen Krieges (1790)

Philosophische Schriften:

  • Über Anmuth und Würde (1793)
  • Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795)
  • Über naive und sentimentalische Dichtung (1795)
  • Über den Dilettantismus (1799, zus. mit Goethe)
  • Über das Erhabene (1801)
  • Die Schaubühne als moralische Anstalt (1802)

Zeitschriften:

  • Die Horen (1793)

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