Dienstag, September 21, 2021

Der Herbst des Einsamen – Georg Trakl

Autor: Georg Trakl – bei Wikipedia
Werk: Der Herbst des Einsamen
erschienen: 1915
Epoche: Expressionismus

Georg Trakl (Bild aus: Wikipedia)

Der Herbst des Einsamen

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Geberde.
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.


Formale Analyse

  • 3 Strophen mit je 6 Versen (18 Verse)
  • Kreuzreime als Reimschema (ababab cdcdcd efefef)
  • als Metrum: regelmäßiger Jambus (fünfhebig)
  • weibliche Kadenzen (klingend) vorhanden

Mehr Infos zum Werk Der Herbst des Einsamen

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