Samstag, September 26, 2020

Die Alster – Friedrich von Hagedorn

Autor: Friedrich von Hagedorn
Werk:
Die Alster

   Befördrer vieler Lustbarkeiten,
  Du angenehmer Alsterfluß!
  Du mehrest Hamburgs Seltenheiten
  Und ihren fröhlichen Genuß.
5 Dir schallen zur Ehre,
  Du spielende Fluth,
  Die singenden Chöre,
  Der jauchzende Muth.
  
Der Elbe Schiffahrt macht uns reicher;
10 Die Alster lehrt gesellig seyn!
  Durch jene füllen sich die Speicher;
  Auf dieser schmeckt der fremde Wein.
  In treibenden Nachen
  Schifft Eintracht und Lust,
15 Und Freiheit und Lachen
  Erleichtern die Brust.
  
Das Ufer ziert ein Gang von Linden,
  In dem wir holde Schönen sehn,
  Die dort, wann Tag und Hitze schwinden,
20 Entzückend auf- und niedergehn.
  Kaum haben vorzeiten
  Die Nymphen der Jagd,
  Dianen zur Seiten,
  So reizend gelacht.
25 
O siehst du jemals ohn Ergetzen,
  Hammonia! des Walles Pracht,
  Wann ihn die blauen Wellen netzen
  Und jeder Frühling schöner macht?
  Wann jenes Gestade,
30 Das Flora geschmückt,
  So manche Najade
  Gefällig erblickt?
  
Ertönt, ihr scherzenden Gesänge,
  Aus unserm Lustschiff um den Strand!
35 Den steifen Ernst, das Wortgepränge
  Verweist die Alster auf das Land.
  Du leeres Gewäsche,
  Dem Menschenwitz fehlt,
  O fahr in die Frösche;
40 Nur uns nicht gequält!
  
Hier lärmt, in Nächten voll Vergnügen,
  Der Pauken Schlag, des Waldhorns Schall;
  Hier wirkt bei Wein und süßen Zügen
  Die rege Freyheit überall.
45 Nichts lebet gebunden,
  Was Freundschaft hier paart.
  O glückliche Stunden!
  O liebliche Fahrt!

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