Montag, September 20, 2021

Sonett – Martin Opitz

Autor: Martin Opitz
Werk:
Sonett [Du schöne Tyndaris …]
Jahr: vrmtl. 1624
Epoche: Barock

Du schöne Tyndaris1, wer findet deines gleichen,
Und wollt‘ er hin und her das ganze Land durchziehn?
Dein‘ Augen trutzen wohl den edelsten Rubin,
Und vor den Lippen muß ein Türkis auch verbleichen,

Die Zähne kann kein Gold an hoher Farb‘ erreichen,
Der Mund ist Himmelweit, der Hals sticht Atstein2 hin.
Wo ich mein Urteil nur zu fällen würdig bin,
Alecto3 wird dir selbst des Haares halber weichen.

Der Venus Ehemann geht so gerade nicht,
Und auch der Venus Sohn hat kein solch scharff Gesich;
In summa du bezwingst die Götter und Göttinnen.

Weil man dann denen auch die uns gleich nicht sind wohl,
Geht es schon sauer ein, doch gutes gönnen soll,
So wüntsch‘ ich das mein Feind dich möge lieb gewinnen.

Anmerkungen:
1 – Tyndareos (König von Sparta)
2 – Bernstein
3 – eine der drei Erinyen (Rachegöttinnen)

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