Sonntag, Oktober 17, 2021

Der Erlkönig – Johann Wolfgang von Goethe

Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Werk:
Der Erlkönig
veröffentlicht: 1782
Gedichtform: Ballade
Epoche: Sturm und Drang

Goethe (Bild aus: Wikipedia)

Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.


Der Inhalt in Kürze

Diese Ballade handelt von einem nächtlichen Ritt von Vater und Sohn, wobei dem kleinen Sohn in dieser stürmischen Nacht der Erlkönig zu erscheinen scheint. Er ängstigt sich sehr.

Formale Analyse

  • 8 Strophen mit je 4 Versen (32 Verse)
  • größtenteils Paarreime (aabb) vorhanden
  • außer: die ersten Verse der 5. Strophe („gehn?“ u. „schön;“)
  • diese werden Reimwaisen genannt (als x oder w kennzeichnen)
  • unregelmäßiger Wechsel zwischen Jamben und Anapästen
  • männliche Kadenzen (stumpf) vorwiegend

Vertonung vom Erlkönig

Dieses Werk wurde auch vom berühmten Komponisten Franz Schubert 1815 vertont. Hier kannst Du es Dir anhören.

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