Sonntag, September 27, 2020

Neidhart von Reuental

Leben

Neidhart von Reuental (ca. 1180 – ca. 1240) war einer der berühmtesten deutschen Minnesänger. Er war wahrscheinlich im Herzogtum Bayern tätig und ist dann auch als Sänger am Hof Herzog Friedrichs II. von Österreich in Wien bekannt. Als Minnesänger war er von 1210 bis mindestens 1236 am aktivsten.

Miniatur

Die im Codex Manesse erhaltene Miniatur ist die einzige zu Neidhart. Bis heute gibt es keinen motivischen Zugang zu dieser Miniatur, da der Grundstockmaler wahrscheinlich keine Vorlage hatte und so eine neue Bildsituation schaffen mußte.
Nicht die gesamte Fläche ist ausgefüllt, der obere Bereich ist frei. Die Wappenzone, bestehend aus Schild und Helm, fehlt, weil der Maler vermutlich keine Kenntnisse über die Art des Wappens Neidharts hatte. Bei dieser Miniatur wurde die mittelalterliche Bedeutungsperspektive angewendet: die zentrale Figur wird am größten dargestellt. Die größte Darstellung bedeutet die größte Bedeutung. Es gibt 4 umrahmende Figuren, die auf die zentrale Figur ausgerichtet sind. Die bunte Kleidung und Bewaffnung sind auffällig.
Die Deutung der Miniatur ist in der Forschung umstritten. Es gibt drei verschiedene Forschungsmeinungen: 1. Der Dichter wird von vier Freunden umgeben, die ihn drängen ein Lied zu singen. 2. Der Dichter wird von vier Feinden (Dörpern) umgeben, die ihm drohen und gegen die sich der Dichter wehrt. 3. Die umrahmenden Figuren sind zwei Freunde, die den Dichter bitten, und zwei Feinde, die dem Dichter drohen.

Werk

Von seinem Werk sind etwa 140 Lieder bis heute erhalten. Seine literarische Schaffungszeit lag ungefähr zwischen 1210 und 1235. Die Überlieferung seiner Werke ist sehr umfangreich. Sie sind in der Kleinen Heidelberger Liederhandschrift (A), in der Weingartner Liederhandschrift (B), im Codex Manesse (C) und in vielen Spezialcorpora, z. B. der Riedschen Handschrift (15. Jh., 1890 Strophen zu Neidhart), überliefert. Damit ist der von ihm erhaltene gesamte Textcorpus größer als der von Walther von der Vogelweide.
Seine Minnelieder wanden sich niederen Volksschichten zu, sie gehören zur niederen Minne. Der Adlige wirbt nicht um eine ihm höher gestellte Frau, sondern kämpft mit einem Bauern um die Gunst einer Bauersfrau.

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