|


|

Deutsche Odendichtungen
Inhalt
- griechisch = Gesang, Lied
- in der Antike Sammelbezeichnung für alle sangbaren strophischen Dichtungen
- die meisten Oden deutscher Odendichter waren jedoch nicht als singbar gedacht und empfunden
- feierliches Gedicht, ähnlich der Hymne aber gedämpfter
- meist reimlos, mit festgelegter Strophenform
- antike Odenmaße: alkäische, sapphische, asklepiadeische und archilochische Ode
- geprägt von Erhabenheit/ Würde
- bedeutende dt. Odendichter: Klopstock, Hölderlin
- reimlos
- Verse nicht alternierend, sondern setzen Hebungen und Senkungen nach strikten Regeln ein
- in Deutschland Nachbildung antiker Odenstrophen: alkäische, sapphische, asklepiadeische und archilochische Odenstrophe
- die antiken Odenstrophen wurden von den deutschen Odendichtern nicht immer streng eingehalten, oft wurden Variationen eingebaut
Alkäische Odenstrophe |
- besteht aus:
- zwei alkäischen Elfsilbern, die metrisch übereinstimmen, und bei denen vor der 3. Hebung eine Zäsur steht
- einem Neunsilber
- einem Zehnsilber
- Schema:
x x´ x x´ x | x´ x x x´ x x´
x x´ x x´ x | x´ x x x´ x x´
x x´ x x´ x x´ x x´ x
x´ x x x´ x x x´ x x´ x
Beispiel: Klopstock: "An Fanny"
Wenn einst ich todt bin, wenn mein Gebein zu Staub'
Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun
Lang' über meines Lebens Schicksal,
Brechend im Tode, nun ausgewint hast,
|
Sapphische Odenstrophe |
- besteht aus:
- drei sapphischen Elfsilbern (Hendekasyllabi), die metrisch übereinstimmen, und bei denen nach der 3. Hebung eine Doppelsenkung folgt
- einem Adoneus (Fünfsilber, bestehend aus Daktylus und Trochäus)
- Schema:
x´ x x´ x x´ x x x´ x x´ x
x´ x x´ x x´ x x x´ x x´ x
x´ x x´ x x´ x x x´ x x´ x
x´ x x x´ x
Beispiel: August von Platen: "Los des Lyrikers"
Stets am Stoff klebt unsere Seele, Handlung
Ist der Welt allmächtiger Puls, und deshalb
Flötet oftmals tauberem Ohr der hohe
Lyrische Dichter.
|
Asklepiadeische Odenstrophe |
- häufigste Form der asklepiadeischen Odenstrophe besteht aus:
- zwei kleinen Asklepiadeen (Zwölfsilber), die metrisch übereinstimmen, und in der Mitte einen Hebungsprall haben
- einem Pherekrateus (Siebensilber, bestehend aus Trochäus, Daktylus und Trochäus)
- einem Glykoneus (Achtsilber, der gebaut ist wie der Pherekrateus, aber am Ende eine zusätzliche Hebung besitzt)
- Schema:
x´ x x´ x x x´ x´ x x x´ x x´
x´ x x´ x x x´ x´ x x x´ x x´
x´ x x´ x x x´ x
x´ x x´ x x x´ x x´
Beispiel: Klopstock: "Der Zürchersee"
Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt.
|
Archilochische Odenstrophe |
- besteht aus: 2x
- einem Archilochius (Siebzehnsilber, bestehend aus fünf Daktylen und einem Trochäus am Ende)
- einem Hemiepes (halber Hexameter)
- Schema:
x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x
x´ x x x´ x x x´
x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x
x´ x x x´ x x x´
Beispiel: Klopstock "An Ebert"
Ebert, mich scheucht ein trübere Gedanke vom blinkendem Weine
Tief in die Melancholey!
Ach du redest umsonst, vordem gewaltiges Kelchglas,
Heitre Gedanken mir zu!
|
- liedartige Gesellschaftsgedichte, z.B. Lobgedichte, Traueroden
- Vertreter der geselligen Ode: Weckherlin mit "Oden und Gesänge" (1618/19)
- => 4 Unterarten:
- 1. pindarische Oden (strophische Dreiteilung)
- 2. höfische Oden (Verherrlichung von fürstlichen und politischen
Persönlichkeiten)
- 3. moralisierende und reflektierende Oden in liedartiger Strophenform
- 4. gesellige Gesänge (Themen: v.a. Liebe und Wein)
- höfische Lobgedichte oder Gelegenheitsgedichte (z.B. Hochzeitsoden, Traueroden)
- erste große Zuwendung zur pindarischen Ode durch Gryphius
- verschwand als lebendige Kunstform zu Beginn des 18. Jh.s
- Ansätze zu hohem hymnischen Stil gingen über auf heroische Ode, die an ihre Stelle trat
- höfisch pointierte Huldigung
- steigernde Analogie zur Antike
- rhetorisches Pathos in der Verherrlichung der Herrschertugenden
- Allegorie abstarkter Begriffe
- Zurücktreten des Dichters
- glorifizierende Haltung gegenüber dem Regentem
- moralische Reflexionen, z.T. religiös gefärbt
- wichtige Rolle spielte die Allegorie
- Vertreter: Hagedorn, Haller, Carl Friedrich Drollinger
- setzt ein mit "Freundschaftlichen Liedern" von Immanueal Jacob Pyra und Samuel Gotthold Lange
- Oden, die Sieg und Heldentum besingen
- private Kunstlyrik an Freunde
- Motive: Heroen, Freundschaft, Liebe, Natur
- wichtige Rolle der Allegorie und antiken Mythologie
- Gleim: "Oden nach dem Horaz" (1769)
- Oden Klopstocks
- Klopstocks Absicht: Herzen erschüttern, mitreißen, durchtränken mit Lust und Schmerz
- zeichnet sich aus durch Erhabenheit, Feierlichkeit und unmittelbare Leidenschaft
- => erhabene Poesie in den höchsten, kunstvollsten Formen
- Motive: Freundschaft, Leidenschaft, Liebe
- sprachliche Besonderheiten: Abstraktionskraft des Wortes wird entdeckt
- Gebrauch antiker Mythologie
- Vertreter: Klopstock, Johann Heinrich Voß, Friedrich Leopold Stollberg
- z.B. Klopstocks "Zürchersee" (1750)
- enthält Elemente der Tränenstimmung: Mond, Nachtigall, Tauben
- zentrales Motiv: Sehnsucht
- Neigung zu sanfter Melancholie, zarter Liebe und sentimentalem Naturgefühl
- Vertreter: Hölty
- z.B. Hölty: "Die Maynacht" (1774), "An die Grille", "Auftrag an die Freunde"
- Höhepunkt der deutschen Odendichtung
- nicht ein Charakter vorherrschend, sondern wechselnde Gestaltung, z.B.
- dialektische Reflexionsgedichte: "Sokrates und Alkibiades" (1798)
- Feierlieder: "Tod fürs Vaterland"
- Ich-Gedichte: "Abendphantasie", "Der Main"
- Zwiegespräche der Einzelseele mit dem Kosmos
- Liebesoden: "Abschied"
- Widmungsoden: "Der Prinzessin von Homburg"
- Hölderlins Oden geprägt von einem hohen Stil
- stehen inhaltlich zwischen Klassik und Romantik
Hölderlin:
- alkäische Oden:
- Abendphantasie
- An die Parzen
- An Eduard
- An eine Fürstin von Dessau
- An eine Verlobte
- Dem Sonnengott
- Der Main
- Der Tod fürs Vaterland
- Der Zeitgeist
- Des Morgens
- Die Götter
- Ermunterung
- Rousseau
- sapphische Oden:
- asklepiadeische Oden:
- Der Abschied
- Dichtermut
- Heidelberg
- Ihre Genesung
- Sokrates und Alkibiades
Hölty:
- alkäische Oden:
- sapphische Oden:
- asklepiadeische Oden:
Klopstock:
- archilochische Oden:
- alkäische Oden:
- sapphische Oden:
- asklepiadeische Oden:
August von Platen:
Johann Heinrich Voß :
Josef Weinheber:
- Viëtor, Karl: Geschichte der deutschen Ode. 2. Aufl. Hildesheim 1961.
|