Donnerstag, August 13, 2020

Moderne (1890-1920) – Epoche der Literatur

1. Literatur der Moderne

In den neunziger Jahren wurde der Naturalismus allmählich abgelöst. An seine Stelle traten viele gegen- und nachnaturalistische Strömungen bzw. Ismen: Ästhetizismus, Impressionismus, Jugendstil, Symbolismus und Neuromantik. Dieser Stilpluralismus setzte zunächst in Österreich ein, weitete sich aber schnell auf Deutschland aus. Die naturalistische Objektivität wurde verdrängt, stattdessen besann man sich wieder auf das „Ich“, Individualität und Subjektivität.

Die Entwicklung der Ismen wurde durch die zunehmende Nietzsche- und Stirner-Rezeption weiter vorangetrieben. Davon entfernten sich wieder ab 1910 die Expressionisten. Neue Errungenschaften in den Naturwissenschaften, z. B. Einsteins Relativitätstheorie, führen die Physik zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine Krise. Darin wird ein Verlust traditioneller Werte gesehen. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Entwicklung der Moderne war die Sprachkrise der Jahrhundertwende, in welcher die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache diskutiert wurden (z. B. im Brief des Lord Chandos von H. v. Hofmannsthal).

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

2. Sprache – Sprachlosigkeit – Sprachkrise

Die Dichtungen der Jahrhundertwende waren, wie kaum zuvor, sprachgewaltig: Metaphern, Symbole, Bilder, Alliterationen, Assonanzen, Synästhesien durchzogen sie in großem Maße. Die Kunst war niemandem anders mehr verpflichtet als sich selbst.

Mit der Jahrhundertwende kam es zu einer zunehmenden Selbstkritik der modernen Autoren. Am deutlichsten zeigst sich diese im Chandos-Brief von Hugo von Hofmannsthal, der ihn im Alter von 28 Jahren verfasste. In diesem fiktiven Brief an Francis Bacon bedauert Lord Chandos den „gänzlichen Verzicht auf literarische Betätigung“. Chandos ist „die Fähigkeit abhanden gekommen, über irgend etwas zusammenhängend zu denken und zu sprechen“. Für Lord Chandos ist Denken und Sprechen nur noch in einer Sprache möglich, die es so noch nicht gibt.

Der Chandos-Brief ist zum einen Sprachkritik, da er sich gegen die konventionellen Sprachgewohnheiten stellt. Zum anderen ist er ein grundsätzlicher Zweifel daran, in wiefern sich die Realität mit Sprache wiedergeben lässt.

H. v. Hofmannsthal (1874-1929)

3. Literarische Formen

  • Lyrik
  • Prosagedicht
  • Studie
  • Skizze
  • Brief
  • Kunstmärchen
  • Einakter
  • Essay
  • Aphorismus
  • Novelle

4. Vertreter

  • Hermann Bahr (1863-1934)
  • Stefan George (1868-1933)
  • Gerhart Hauptmann (1862-1946)
  • Hermann Hesse (1877-1962)
  • Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)
  • Thomas Mann (1875-1955)
  • Christian Morgenstern (1871-1914)
  • Arthur Schnitzler (1862-1931)
  • Frank Wedekind (1864-1918)
  • Stefan Zweig (1881-1942)
  • Rainer Maria Rilke (1875-1926)

5. Werke

  • Hymnen (1890) – George
  • Überwindung des Naturalismus (1891) – Bahr
  • Frühlings Erwachen (1891) – Wedekind
  • Leutnant Gustl (1900) – Schnitzler
  • Buddenbrooks (1901) – Th. Mann
  • Ein Brief [sog. Chandos-Brief] (1902) – Hofmannsthal
  • Peter Camenzind (1904) – Hesse
  • Galgenlieder (1905) – Morgenstern
  • Das Bergwerk zu Falun (1906) – Hofmannsthal
  • Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910) – Rilke
  • Jedermann (1911) – Hofmannsthal
  • Der Tod in Venedig (1912) – Th. Mann
  • Duineser Elegien (1923) – Rilke
  • Sonette an Orpheus (1923) – Rilke

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