Samstag, August 15, 2020

Ode

1.1 Zum Begriff der Ode

  • griechisch = Gesang, Lied
  • in der Antike Sammelbezeichnung für alle sangbaren strophischen Dichtungen
  • die meisten Oden deutscher Odendichter waren jedoch nicht als singbar gedacht und empfunden

1.2 Merkmale der Ode

  • feierliches Gedicht, ähnlich der Hymne aber gedämpfter
  • meist reimlos, mit festgelegter Strophenform
  • antike Odenmaße: alkäische, sapphische, asklepiadeische und archilochische Ode
  • geprägt von Erhabenheit/ Würde
  • bedeutende dt. Odendichter: Klopstock, Hölderlin

1.3 Odenstrophen

  • reimlos
  • Verse nicht alternierend, sondern setzen Hebungen und Senkungen nach strikten Regeln ein
  • in Deutschland Nachbildung antiker Odenstrophen: alkäische, sapphische, asklepiadeische und archilochische Odenstrophe
  • die antiken Odenstrophen wurden von den deutschen Odendichtern nicht immer streng eingehalten, oft wurden Variationen eingebaut
Alkäische
Odenstrophe
besteht aus:zwei alkäischen Elfsilbern, die metrisch übereinstimmen, und bei denen vor der 3. Hebung eine Zäsur stehteinem Neunsilbereinem ZehnsilberSchema:x x´ x x´ x | x´ x x x´ x x´ x x´ x x´ x | x´ x x x´ x x´ x x´ x x´ x x´ x x´ x x´ x x x´ x x x´ x x´ xBeispiel: Klopstock: „An Fanny“
Wenn einst ich todt bin, wenn mein Gebein zu Staub‘
Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun
Lang‘ über meines Lebens Schicksal,
Brechend im Tode, nun ausgewint hast,
Sapphische
Odenstrophe
besteht aus:drei sapphischen Elfsilbern (Hendekasyllabi), die metrisch übereinstimmen, und bei denen nach der 3. Hebung eine Doppelsenkung folgteinem Adoneus (Fünfsilber, bestehend aus Daktylus und Trochäus)Schema:x´ x x´ x x´ x x x´ x x´ x x´ x x´ x x´ x x x´ x x´ x x´ x x´ x x´ x x x´ x x´ x x´ x x x´ xBeispiel: August von Platen: „Los des Lyrikers“
Stets am Stoff klebt unsere Seele, Handlung
Ist der Welt allmächtiger Puls, und deshalb
Flötet oftmals tauberem Ohr der hohe
Lyrische Dichter.
Asklepiadeische
Odenstrophe
häufigste Form der asklepiadeischen Odenstrophe besteht aus:zwei kleinen Asklepiadeen (Zwölfsilber), die metrisch übereinstimmen, und in der Mitte einen Hebungsprall habeneinem Pherekrateus (Siebensilber, bestehend aus Trochäus, Daktylus und Trochäus)einem Glykoneus (Achtsilber, der gebaut ist wie der Pherekrateus, aber am Ende eine zusätzliche Hebung besitzt)Schema:x´ x x´ x x x´ x´ x x x´ x x´ x´ x x´ x x x´ x´ x x x´ x x´ x´ x x´ x x x´ x x´ x x´ x x x´ x x´Beispiel: Klopstock: „Der Zürchersee“
Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt.
Archilochische
Odenstrophe
besteht aus: 2xeinem Archilochius (Siebzehnsilber, bestehend aus fünf Daktylen und einem Trochäus am Ende)einem Hemiepes (halber Hexameter)Schema:x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x´ x x x´ x x x´ x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x x´ x x´ x x x´ x x x´Beispiel: Klopstock „An Ebert“
Ebert, mich scheucht ein trübere Gedanke vom blinkendem Weine
Tief in die Melancholey!
Ach du redest umsonst, vordem gewaltiges Kelchglas,
Heitre Gedanken mir zu!

2. Odenarten und Odengeschichte

2.1 gesellige Ode

  • liedartige Gesellschaftsgedichte, z. B. Lobgedichte, Traueroden
  • Vertreter der geselligen Ode: Weckherlin mit „Oden und Gesänge“ (1618/19)
  • 4 Unterarten:
  • 1. pindarische Oden (strophische Dreiteilung)
  • 2. höfische Oden (Verherrlichung von fürstlichen und politischen Persönlichkeiten)
  • 3. moralisierende und reflektierende Oden in liedartiger Strophenform
  • 4. gesellige Gesänge (Themen: v. a. Liebe und Wein)

2.2 pindarische Ode

  • höfische Lobgedichte oder Gelegenheitsgedichte (z. B. Hochzeitsoden, Traueroden)
  • erste große Zuwendung zur pindarischen Ode durch Gryphius
  • verschwand als lebendige Kunstform zu Beginn des 18. Jh.s
  • Ansätze zu hohem hymnischen Stil gingen über auf heroische Ode, die an ihre Stelle trat

2.3 heroische Ode

  • höfisch pointierte Huldigung
  • steigernde Analogie zur Antike
  • rhetorisches Pathos in der Verherrlichung der Herrschertugenden
  • Allegorie abstarkter Begriffe
  • Zurücktreten des Dichters
  • glorifizierende Haltung gegenüber dem Regentem

2.4 moralische Ode

  • moralische Reflexionen, z.T. religiös gefärbt
  • wichtige Rolle spielte die Allegorie
  • Vertreter: Hagedorn, Haller, Carl Friedrich Drollinger

2.5 horazische Ode

  • setzt ein mit „Freundschaftlichen Liedern“ von Immanueal Jacob Pyra und Samuel Gotthold Lange
  • Oden, die Sieg und Heldentum besingen
  • private Kunstlyrik an Freunde
  • Motive: Heroen, Freundschaft, Liebe, Natur
  • wichtige Rolle der Allegorie und antiken Mythologie
  • Gleim: „Oden nach dem Horaz“ (1769)

2.6 enthusiastische Ode

  • Oden Klopstocks
  • Klopstocks Absicht: Herzen erschüttern, mitreißen, durchtränken mit Lust und Schmerz
  • zeichnet sich aus durch Erhabenheit, Feierlichkeit und unmittelbare Leidenschaft
  • => erhabene Poesie in den höchsten, kunstvollsten Formen
  • Motive: Freundschaft, Leidenschaft, Liebe
  • sprachliche Besonderheiten: Abstraktionskraft des Wortes wird entdeckt
  • Gebrauch antiker Mythologie
  • Vertreter: Klopstock, Johann Heinrich Voß, Friedrich Leopold Stollberg
  • z. B. Klopstocks „Zürchersee“ (1750)

2.7 elegische Ode

  • enthält Elemente der Tränenstimmung: Mond, Nachtigall, Tauben
  • zentrales Motiv: Sehnsucht
  • Neigung zu sanfter Melancholie, zarter Liebe und sentimentalem Naturgefühl
  • Vertreter: Hölty
  • z. B. Hölty: „Die Maynacht“ (1774), „An die Grille“, „Auftrag an die Freunde“

2.8 Hölderlins Oden

  • Höhepunkt der deutschen Odendichtung
  • nicht ein Charakter vorherrschend, sondern wechselnde Gestaltung, z. B.
  • dialektische Reflexionsgedichte: „Sokrates und Alkibiades“ (1798)
  • Feierlieder: „Tod fürs Vaterland“
  • Ich-Gedichte: „Abendphantasie“, „Der Main“
  • Zwiegespräche der Einzelseele mit dem Kosmos
  • Liebesoden: „Abschied“
  • Widmungsoden: „Der Prinzessin von Homburg“
  • Hölderlins Oden geprägt von einem hohen Stil
  • stehen inhaltlich zwischen Klassik und Romantik

3. Odenbeispiele

Hölderlin:

  • alkäische Oden:
  • Abendphantasie
  • An die Parzen
  • An Eduard
  • An eine Fürstin von Dessau
  • An eine Verlobte
  • Dem Sonnengott
  • Der Main
  • Der Tod fürs Vaterland
  • Der Zeitgeist
  • Des Morgens
  • Die Götter
  • Ermunterung
  • Rousseau
  • sapphische Oden:
  • Unter den Alpen gesungen
  • asklepiadeische Oden:
  • Der Abschied
  • Dichtermut
  • Heidelberg
  • Ihre Genesung
  • Sokrates und Alkibiades

Hölty:

  • alkäische Oden:
  • Auftrag
  • sapphische Oden:
  • An die Grille
  • asklepiadeische Oden:
  • Der Kuß
  • Die Liebe
  • Die Mainacht

Klopstock:

  • archilochische Oden:
  • An Ebert
  • An Giseke
  • alkäische Oden:
  • An Fanny
  • An Johann Heinrich Voß
  • Auch die Nachwelt
  • Auf meine Freunde
  • Der Abschied
  • Ihr Schlummer
  • sapphische Oden:
  • Der Frohsinn
  • asklepiadeische Oden:
  • Bardale
  • Der Zürchersee
  • Friedensburg
  • Friedrich der Fünfte

August von Platen:

  • sapphische Oden:
  • Los des Lyrikers

Johann Heinrich Voß :

  • alkäische Oden:
  • Der Maiabend

Josef Weinheber:

  • Ode an die Buchstaben

4. Literatur

  • Viëtor, Karl: Geschichte der deutschen Ode. 2. Aufl. Hildesheim 1961.

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